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„Höhenschwindel“ – Hubertus Hummels 9. Fall live

 

Das erfolgreiche Autorenduo Alexander Rieckhoff und Stefan Ummenhofer zu Gast in der Buchhandlung Straub in Ostfildern

 

Dass der Schwarzwald eine beeindruckend schöne Gegend ist und gerne für Kuraufenthalte oder zum Wandern genutzt wird, dürfte vielen klar sein. Doch dass dieses Idyll auch eine mörderische Umgebung darstellt, wird spätestens durch die Romanfigur „Hubertus Hummel“, geschaffen von Alexander Rieckhoff und Stefan Ummenhofer, deutlich. Denn was Lehrer Hummel bisher so alles erlebt hat, lässt den Schwarzwald in einem anderen Licht dastehen. Mit Humor und Augenzwinkern beschreibt das Autorenduo in ihren erfolgreichen Romanen Kriminalfälle, die stets eine andere Grundthematik aufweisen und die dabei so eng mit dem Schwarzwald verknüpft sind, dass es bereits etliche Fans gibt, die auch die Routen, die in den Romanen beschrieben werden, eifrig nachwandern und sich somit auf „Hummels Pfade“ begeben. In ihrem neuesten Fall „Höhenschwindel“ kommt besonders das Erklimmen von Bergen nicht zu kurz. So stellt ausgerechnet der „Teufelsfelsen“ den Ort des Verbrechens dar und obwohl die beiden Autoren selbst keine Kletterer sind, beschreiben sie, dank der Hilfe von Experten, die sie speziell zu Rate ziehen in der Entstehungsphase eines neuen Romans, alles sehr authentisch. Dass auch die Lesungen der beiden Herren, die ursprünglich aus Villingen-Schwenningen stammen und nun in Mainz und Freiburg leben, etwas Besonderes sind, konnten die zahlreichen Besucher der Buchhandlung Straub, am Freitag, den 03.02.12, erleben. Hummel, Riesle, Thomsen und Co. Werden durch Rieckhoff und Ummenhofer zum Leben erweckt und durch ihr eindrucksvolles Spiel erhält die Lesung einen ganz eigenen Charakter. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Rieckhoff zum Akkordeon greift und die im Roman vorkommende Hausmusik nachmacht – zur Freude oder zum Leidwesen seines Partners oder des Publikums. Dass sich die beiden Herren auch privat gut verstehen und wie eine gemeinsame Arbeit an den Romanen aussieht, erzählten uns die Autoren im exklusiven Interview:

 

1. Ende des vergangenen Jahres erschien ein weiterer Fall für Ihren Romanhelden Hubertus Hummel: „Höhenschwindel“. Bereits seit Jahren begleitet der kauzige Lehrer und Hobbydetektiv Hummel Ihr Leben. Wie kamen Sie beide auf die Idee, die Figur des Hubertus Hummel zu erschaffen? Gab es spezielle Vorbilder für ihn?

U: Es gab keine konkreten Vorbilder für Hubertus Hummel. Eigentlich war es so, dass Alexander und ich uns in einer Kneipe trafen und uns fragten, weshalb Krimis denn stets in Metropolen spielen müssen und das war zu einem Zeitpunkt, als Regionalkrimis noch nicht sehr verbreitet waren. Dabei bietet sich der mythische und mystische Schwarzwald ideal an. So überlegten wir, welche Figur denn für einen Schwarzwald-Krimi passen würde. Wir wollten absichtlich nicht den 383. Kriminalkommissar, sondern etwas Anderes, eine Art Erbe von „Miss Marple“ und eben so ein Typ ist Lehrer Hummel. Dazu noch die zweite Hauptfigur Klaus Riesle, der Journalist ist, wie wir beide und natürlich können wir uns in diesen auch gut hineinversetzen. Hummel ist ein wertkonservativer Lehrer und ein typischer Schwarzwälder, so wie wir auch mehr oder weniger typische Schwarzwälder sind und uns als Menschen verstehen, die für den Schwarzwald werben.

R: Wir leben gerne im Schwarzwald und geben unser Wissen über diese Gegend auch gerne an andere weiter.

 

2. Vereinen Hummel Riesle Eigenschaften von Ihnen oder anders gefragt: Wie viel Hubertus Hummel und Klaus Riesle stecken in Alexander Rieckhoff oder Stefan Ummenhofer?

R: Natürlich finden sich die Charaktereigenschaften der ein oder anderen Figur auch bei uns wieder. Doch man kann es nicht typisieren. So gibt es positive als auch negative Eigenschaften, die zu uns Autoren passen. Die Personen in unseren Romanen sind alle frei erfunden und lassen sich mit ihren Eigenschaften auf viele Menschen übertragen.

U: Teilweise verarbeiten wir schon auch autobiographische Erlebnisse von uns, aber es ist nicht so, dass beispielsweise die Figur des „Riesle“ eins zu eins so ist wie Rieckhoff oder wie Ummenhofer. Aber es macht Spaß, wenn man sich an bestimmte Erlebnisse erinnert und diese dann im Buch unterbringen kann. Allerdings gab es jedoch schon viele Leute, die sich selbst in unseren Figuren erkannten und bei denen wir gar nicht wussten, dass wir sie indirekt in unser Buch geschrieben haben.

 

3. Ihre Schwarzwaldkrimis sind sehr erfolgreich und viele Fans warten mit Spannung auf neue Fälle des Herrn Hummel. Woher nehmen Sie stets die neuen Ideen für Ihre Bücher?

R: Oftmals schreibt die Realität die besten Geschichten. So haben wir gute Verbindungen zu einem Kriminalhauptkommissar, der uns durch seine Berichte gute Anregungen für neue Erzählideen gibt, gerade in kriminaltechnischer Hinsicht. Manchmal sind die Geschichten frei erfunden, manchmal sind auch reale Begebenheiten enthalten. Es ist uns sehr wichtig, dass die Geschichten kriminalistisch immer „wasserdicht“ sind. Dabei soll es humoristisch, leicht und unterhaltend sein. Außerdem sollte es immer der Realität entsprechen, daher lassen wir uns eben unter anderem auch von Gerichtsmedizinern beraten. Es gibt manchmal auch Autoren, die darauf keinen großen Wert legen, so nach dem Motto: Wie stelle ich mir als Laie das vor? Aber so darf es nicht sein. Wir sind beispielsweise beide keine Kletterer, dennoch kommt diese Thematik in unserem neuen Roman „Höhenschwindel“ vor. So holten wir uns den Rat von Experten dieses Gebietes, sonst wäre es sehr albern gewesen, wenn wir über etwas schreiben, wovon wir keine Ahnung haben.

U: Übrigens: Als die Pressefotos für den Roman gemacht wurden wären wir beinahe abgestürzt! Ein weiterer Punkt ist auch, dass wir unsere Fälle auch stets schwarzwaldtypisch machen, d.h. es ist dann nur ein guter Regionalkrimi, wenn der Fall nur so im Schwarzwald spielen kann und nirgendwo anders. Da überlegen wir uns schon das ein oder andere, auch was uns  in unserem Alltag als Journalist begegnet.

R: Unsere Romanfiguren sind auch so konzipiert, dass sie direkt zum Schwarzwald passen. Oder nehmen wir ein Beispiel aus einem früheren Roman, da ging es um eine „Sektengeschichte“, auf der Suche nach dem „Eldorado der Sehnsucht“. Das kommt auch nicht von ungefähr…

U: Oder eine Kur, wie im Roman „Giftpilz“, dies ist auch typisch schwarzwälderisch. Nach unserem ersten Fall stellten wir uns die Frage, ob uns überhaupt noch ein zweiter einfallen würde. Doch im gemeinsamen Brainstorming kommt man immer wieder auf neue Themen, vor allem eben auch diese Gegend betreffend. So bin ich auch sehr dankbar, dass wir zu zweit schreiben, denn alleine wäre die Themenfindung sicherlich oft schwierig.

 

4. In Ihren Romanen spielt natürlich gerade die Gegend rund um den Schwarzwald eine große Rolle. Wie können wir uns Ihre Arbeit im Vorfeld vorstellen – fahren Sie die Routen, die Hummel zurücklegt, selbst ab? Greifen Sie auf Ihnen bekannte Orte und Gegenden zurück?

R: Teilweise kennen wir die Orte selbst sehr gut aus unserer Kindheit, da wir beide im Schwarzwald aufgewachsen sind. Doch wir fahren auch die Orte, die im Roman vorkommen, persönlich ab. Oder wir wandern die Routen nach – nur das Klettern hat nicht geklappt, wie vorhin bereits erwähnt. Doch die Atmosphäre des „Teufelsfelsens“ muss man einfach korrekt in einem Buch einfangen und das kann man nur, wenn man selber vor Ort war.

U: Ein Stück weit werden wir auch von unseren Lesern dazu genötigt, korrekte Angaben zu machen. Denn diese laufen wirklich jede Strecke ab und melden uns dann, ob es stimmt, was wir im Buch angeben oder nicht. Das ist positiver Druck für uns und dieser sorgt dafür, dass wenigstens einer von uns die Strecken abfährt.

 

5. Dass zwei Autoren einen Roman gemeinsam verfassen, ist zwar nicht ungewöhnlich, doch sicherlich nicht ganz einfach. Wie schaffen Sie es, Ihre Ideen so umzusetzen, dass ein einheitlicher Roman daraus wird?

U: Es ist so, dass wir uns für drei bis vier Tage in Klausur begeben und unter Zuhilfenahme von Alkoholika darf jeder in der ersten Nacht vorschlagen, welche Themen er gerne im neuen Roman hätte. Tags darauf wird dann einiges wieder revidiert, doch im Verlauf des Wochenendes entsteht dann der rote Faden. Dazu gehört auch, dass man auch nachgeben muss, was uns Journalisten eben oftmals sehr schwerfällt. Aber es klappt in diesen 3 bis 4 Tagen immer, den roten Faden zu entwickeln. Dann wird festgelegt, wer das erste Kapitel schreibt, meist übernimmt das Alexander. Ich hingegen schreibe das Ende, das hat sich als Ritual entwickelt. Autoren sind auch Egomanen – jeder denkt, dass der Teil, der selbst verfasst wurde, der Beste sei. Doch hier muss man auch Abstriche machen und akzeptieren, dass der andere Kritik übt. Der Vorteil von dieser Art des Schreibens ist es, dass es kein einsames Schreiben ist, sondern eine Art Dialog, bei dem man immer jemanden hat, mit dem man sich austauschen kann. Wir haben auch viel Spaß dabei und was den Humor angeht, so liegen wir auf einer Wellenlänge. Von Roman zu Roman steigerten wir uns.

R: Die Kritiker meinen das zum Glück auch. Es ist schon so, dass man ein ehrliches Feedback bekommt und da gibt es kein „fishing for compliments“. Wir stehen beide namentlich auf dem Buch und so muss auch von beiden gute Arbeit abgeliefert werden.

 

6. Herr Rieckhoff, Sie sind in Mainz beschäftigt und Herr Ummenhofer in Freiburg. Diese räumliche Trennung ist doch sicherlich für das gemeinsame Schreiben des Romans nicht gerade einfach – schicken Sie sich die einzelnen Ideen und Kapitel per Mail zu oder gibt es Telefonkonferenzen?

R: Beides – per Mail und Telefon gehen die Ideen immer hin und her und das geht sehr gut.

U: Dadurch, dass wir auch relativ viele Lesungen machen, sehen wir uns regelmäßig und können Probleme direkt besprechen, was in manchen Fällen doch eine große Hilfe darstellt. Es kommt nämlich auch vor, dass einer unserer Experten vom Verlag uns unsere Geschichte einfach „zusammenhaut“ und solche Probleme muss man persönlich ausdiskutieren.

 

7. „Höhenschwindel“ ist der 9. Roman der Hubertus Hummel Reihe – haben Sie von all den erschienenen Romanen einen persönlichen Favorit und wenn ja, weshalb ist dies Ihr Lieblingsbuch?

R: Der neueste Roman ist immer der Beste! Unser Ziel war es jeher, uns von Fall zu Fall zu steigern. In gewisser Hinsicht ist das uns auch gelungen. Und es gibt auch je nach Jahreszeit Themen, die einen dann mehr interessieren oder beschäftigen.

U: Die letzten zwei bis drei Romane sehe ich auf einem Level und da täte ich mich schwer, eine Wahl zu treffen. Der Fastnachtskrimi „Narrentreiben“ ist jedoch etwas Eigenes. Manche Leute finden dieses Buch nicht so toll, doch gerade zur närrischen Zeit steigen auch die Anfragen der Bestellungen bei diesem Roman, da es thematisch einfach passend ist. Doch auch ich tue mich enorm schwer zu sagen, welcher Roman mir nun am besten gefällt.

 

8. Ihre Lesungen sind stets etwas Besonderes, Sie lesen die Bücher nicht nur vor, sondern Sie leben sie! Was erwartet denn die Leute alles bei solch einem Abend, die nun interessiert an einer Lesung sind und die Sie beide noch nie live erlebt haben?

U: Unsere Lesungen sind unterhaltend für alle, ich weiß nicht, ob man es Schauspiel nennen kann, aber es sind keine klassischen Lesungen wie man sie eben kennt. Oftmals erlebe ich die mitgeschleppten Ehemänner, die dann doch ganz begeistert sind, obwohl sie anfangs Schlimmes befürchtet haben. Uns freut es immer, wenn wir Leute zum Lesen bewegen, die vielleicht noch nie gerne gelesen haben.

R: Unsere Lesungen könnte man als szenisches Laienspiel bezeichnen, in dem man sich nicht so ganz ernst nimmt. Es gibt ja mittlerweile auch Kollegen, die eine Art Kabarett aus ihrer Lesung machen. Uns ist es wichtig, dass der Text im Vordergrund steht, trotz der Scherze, die vorkommen. Wir nehmen uns selbst nicht so ernst und nehmen uns auch gegenseitig auf´s Korn – doch das muss gut dosiert sein. Es kann auch nicht alles einstudiert sein, man muss auch in der Lage sein zu improvisieren und das kommt beim Publikum sehr gut an.

U: Wir sind positiv gestimmt und nicht wie bei Loriots Filmlesung, bei der er dann hochdurchgeistigt beginnt „Krawel, krawel“ zu rufen, so etwas erlebt man bei uns nicht. Daher werden wir nicht nur von Buchhandlungen gebucht, sondern auch für alle möglichen Veranstaltungen, da es doch in gewisser Hinsicht Comedy ist, verbunden mit einer Lesung. Und es ist auch ein Unterschied, ob ich jeden Abend vom Tod meiner Mutter lese oder ob wir gemeinsam Spaß haben. Denn wenn wir keinen Spaß hätten, würde es künstlich rüberkommen und das ist bei uns nicht der Fall.

 

9. Herr Rieckhoff, Sie erlernten ursprünglich den Beruf als Bankkaufmann, danach studierten Sie Politikwissenschaft und Geschichte und arbeiteten als Redakteur. Aktuell sind Sie als Fernsehredakteur in Mainz beschäftigt. Wieso entschieden Sie sich dafür, den Beruf des Bankkaufmanns hinter sich zu lassen und in die Medienbranche zu wechseln?

R: Der Bankkaufmann war eine Verlegenheitsgeschichte. So erlernte ich diesen Beruf nach dem Abitur, damals befand ich mich noch in meiner Orientierungsphase könnte man sagen. Während der Banklehre habe ich schon geschrieben und zum Glück schlug ich auch dann die journalistische Richtung ein, bei der wir beide uns auch kennenlernten. Als späte Frucht kamen die Hummel-Krimis heraus.

 

10. Herr Ummenhofer, Sie studierten ebenso Geschichte und Politikwissenschaft, arbeiteten dann als Persönlicher Referent eines Bundestagsabgeordneten und sind nun als Journalist in Freiburg tätig. Ab wann entdeckten Sie die Liebe zum Schreiben und Ihr schriftstellerisches Talent?

U: Die Liebe zum Schreiben war schon lange in mir, allerdings schrieb ich meistens nur kurze Texte, obwohl ich den Drang verspürte, auch mal einen Roman zu verfassen. Ich selbst bin Krimifan und so wollte ich doch in diese Richtung gehen, bei einem Roman. Doch alleine traute ich mich nicht und so nahm ich Alexander mit ins Boot für dieses Projekt. Ein komplettes Buch zu schreiben, fand ich einen faszinierenden Gedanken und wenn ich mir überlege, wie lange ich nun gemeinsam mit Alexander schon Romane schreibe, dann ist das der Wahnsinn. Als wir noch am Anfang standen, war unser Ziel, 300 bis 400 Romane zu verkaufen und wenn man bedenkt, wie sich alles entwickelt hat, dann ging doch ein Traum in Erfüllung.

 

11. Sicher interessiert unsere Leser noch, wie Sie beide sich kennenlernten?

R: Kennengelernt haben wir uns in unserer Stammkneipe, die auch in unseren ersten Büchern vorkommt. Diese gibt es mittlerweile leider nicht mehr.

U: Wir haben uns während unseres gemeinsamen Volontariats bei einer Tageszeitung kennengelernt.

 

12. Am Schluss noch einen Ausblick auf die Zukunft: Wie viele Hummel-Fälle sind denn noch in Planung und worauf dürfen sich Ihre Leser noch freuen? Haben Sie sich ein Limit gesetzt, wann es Zeit ist, diese Reihe zu beenden oder machen Sie dies vom Erfolg der Bücher abhängig?

U: Es wird gerade über eine Verfilmung der Hummel-Romane verhandelt. Was auch verstärkt gefordert wird, ist die Produktion von Hörbüchern. Da kamen wir jedoch zeitlich noch nicht dazu, aber vielleicht schaffen wir dieses Jahr dieses Projekt noch. Und es wird auf jeden Fall 2012 einen 10. Hummel-Fall geben! Da wir das Schreiben nicht hauptberuflich betreiben, sondern nebenher in unserer Freizeit, muss man alles unter einen Hut kriegen. Meist schafften wir es, jährlich einen neuen Roman zu veröffentlichen. Doch das erfordert eine gewisse Disziplin und gute Koordination.  Wir bleiben auf jeden Fall dran und wenn uns die Fans treu bleiben, wird man noch einiges von uns hören!

Wer mehr über die Autoren, deren Romane und Lesungen erfahren möchte, sollte ihre Homepage einmal besuchen:

 

www.vs-krimi.de

 

Bericht/Interview/Fotos: Franziska Maier