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Interview mit der Autorin Janine Wilk

 

1. Frau Wilk, Sie stammen aus einer Künstlerfamilie – Ihr Vater ist Musiker und Ihre Mutter Malerin. Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass bei Ihnen bis zum Abitur nicht die Literatur, sondern die Musik Ihre wahre Leidenschaft war. Welchen ursprünglichen Berufswunsch verfolgten Sie denn bis zu diesem Zeitpunkt?

Ich liebe Musik und sie ist ein wichtiger Teil meines Lebens, nicht zuletzt, weil ich beim Schreiben immer Musik (meist Soundtracks) benötige, um mich besser in Szenen hineinversetzen zu können. Doch schon bei meinem Abitur spürte ich, dass meine wahre Berufung nicht im musikalischen Bereich liegt. Leider lag noch ein weiter Weg vor mir, bis ich mir zutraute, mich an die Schriftstellerei zu wagen und so habe ich erst einmal „Bibliotheks – und Informationswesen“ studiert.

 

2. War es für Sie eine große Hilfe, dass Ihre Eltern im künstlerischen Bereich tätig sind oder sahen Sie dies eher als eine Bürde an, die Sie in Ihrer Entwicklung hemmte? Man sagt ja nicht umsonst, dass es schwer sei, in die Fußstapfen der Eltern zu treten.

Ich empfinde es eher als Vorteil:  Dank meinen Eltern wusste ich, dass ein künstlerischer Beruf ein hohes Maß an Disziplin,  Durchhaltevermögen und Leidenschaft erfordert – auch, weil man vorher nie weiß, ob sich die viele Arbeit, die man investiert, irgendwann finanziell auszahlen wird.

 

3. Neben der Musik hegten Sie stets einen besonderen Bezug zur Literatur. Wie machte sich dies bei Ihnen bereits als Kind bemerkbar?

Schon als kleines Kind gehörte der Gang zur Bibliothek für mich zur Normalität, denn auch meine Mutter ist eine große Literaturliebhaberin. So habe ich schon früh die Faszination, in andere Welten abzutauchen, kennen und lieben gelernt. Mit elf Jahren habe ich angefangen, meine ersten Kurzgeschichten zu schreiben und mit dreizehn habe ich eine Interpretation über Michael Endes Romane „Momo“ und „Unendliche Geschichte“ verfasst – bemerkenswert daran war, dass ich dies außerhalb der Schule, nur für mich selbst, gemacht habe. Ein Teil von mir fand diesen „unheimlichen Lerneifer“ in höchstem Maße uncool, aber das Bedürfnis, diese Bücher zu analysieren und ihrer tieferen Bedeutung auf den Grund zu gehen, war einfach stärker.

 

4. Gab oder gibt es für Sie Bücher, die Sie dazu inspirierten selbst einmal als Autorin zu arbeiten?

Wahrscheinlich alle Bücher, die ich bisher gelesen habe, denn man kann sowohl von den guten, als auch von den „schlechten“ Romanen lernen und sich inspirieren lassen. Noch heute analysiere ich automatisch jedes Buch, das ich lese: Was hat mir gefallen und was nicht? Wie hat es der Autor geschafft, mich in die Geschichte hineinzuziehen? Empfand ich manche Stellen als besonders spannend oder berührten sie mich in außergewöhnlichem Maße und wenn ja, warum? So kann man unglaublich viel über den Aufbau einer gelungenen Geschichte lernen.

 

5. Bis 2010 arbeiteten Sie als Klavierlehrerin, doch dann entschlossen Sie sich, Autorin zu werden. Hatte dieser Entschluss einen besonderen Anlass oder wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt den Vertrag für meine Romanidee „Die Schattenträumerin“ abgeschlossen und wusste, dass ich mich gleich danach an die Fortsetzung von „Lilith Parker“  machen musste. Dieses Arbeitspensum wäre schlicht und einfach nicht zu bewältigen gewesen, wenn ich weiterhin „nur in meiner Freizeit“ geschrieben hätte.  

 

6. Im September 2011 wurde Ihr Buch „Lilith Parker und die Insel der Schatten“ veröffentlicht. Ein faszinierendes Jugendbuch, das sowohl Unheimliches, als auch Humorvolles miteinander verbindet. Würden Sie unseren Leserinnen und Lesern, die das Buch noch nicht kennen, in Kürze berichten, worum es geht?

Da ihr alleinerziehender Vater beruflich ins Ausland muss, wird die fast dreizehnjährige Lilith zu ihrer Tante auf die Insel St. Nephelius geschickt. Dort ist es immer neblig, düster und überall stößt man auf Hexen, Vampire und Skelette, denn in dem Dorf Bonesdale wird das ganze Jahr über Halloween gefeiert, um Touristen anzulocken. Doch dann geschehen Lilith merkwürdige Dinge, die sie langsam misstrauisch werden lassen. Als sie mit ihren Freunden Matt und Emma dem Geheimnis der Insel auf den Grund gehen will, wird schnell klar: Hier ist alles echt! Noch ahnt Lilith nicht, wie eng ihr Schicksal mit der Insel verwoben ist und dass sie ein dunkles Erbe anzutreten hat.

 

7. Natürlich stellt sich die Frage, wie Sie darauf kamen, ein Buch wie „Lilith Parker“ zu schreiben? Hatten Sie spezielle Filme oder Bücher, die Sie dazu anregten?

Schon als Jugendliche war ich von Halloween fasziniert, obwohl es zu dieser Zeit in Deutschland noch nicht so populär war. Ich wollte mit dieser Thematik unbedingt einmal eine Geschichte schreiben und als mich eines Tages meine Agentin anrief und fragte, ob ich einen Gruselroman für Kinder ab 12 Jahren schreiben wolle, habe ich sofort zugesagt.

 

8. Wie kann man sich den Prozess des Entwickelns eines Buches vorstellen und wie lange dauert es von der Idee bis zur Realisierung?

Am Anfang schreibe ich das Expose, es beschreibt den groben Ablauf des Romans, was meine Protagonistin bewältigen muss und was für sie auf dem Spiel steht. Danach folgt die Planung der Kapitel, auch Storyoutline genannt. Darin werden stichpunktartig die einzelnen Szenen beschrieben, dabei sind auch die falschen Fährten, die Verwicklungen und die Auflösung am Ende von großer Wichtigkeit. Die Storyoutline ist mein roter Faden und mein wichtigster Begleiter, wenn es schließlich ans Schreiben geht.  In den letzten zwei Jahren habe ich vier Romane geschrieben, mit insgesamt knapp 1500 Seiten – somit habe ich für einen Roman im Durchschnitt ein halbes Jahr benötigt.

 

9. „Lilith Parker“ erlebt auf der „Insel der Schatten“ viel Unheimliches und trifft die verrücktesten Kreaturen, wie Werwölfe, ein Skelett oder Hexen und Zombies. Sind Sie persönlich ein Fan des Horrorgenres?

Als Teenager habe ich Wolfgang Hohlbeins Bücher („Der Greif“, „Die Prophezeiung“) verschlungen, dessen Werke ebenfalls spannend und teilweise gruselig sind. Später habe ich auch gerne Stephen King gelesen. Heutzutage greife ich aber nur noch selten zu einem Horrorroman und begnüge mich damit, meine Leser in Angst und Schrecken zu versetzen. ;-)

 

10. Aktuell arbeiten Sie an einer Fortsetzung von „Lilith Parker“ – wie viele Bände soll es insgesamt geben? Wird daraus eine Trilogie oder legen Sie sich hierbei nicht fest?

Geplant habe ich mindestens fünf Bände, es könnten aber auch mehr werden. In der Theorie ist es oft schwer abzuschätzen, wie viel der Hintergrundstory man tatsächlich in einem Band unterbringen kann.

 

11. Ihr neuestes Werk heißt „Die Schattenträumerin“ und ist im Januar 2012 erschienen. Auch hier natürlich die Frage: Worum geht es in dem Roman und wie unterscheidet es sich von „Lilith Parker“?

Die dreizehnjährige Francesca wird von ihrer Großmutter gebeten, nach Venedig zu kommen, da sie ihr etwas Wichtiges anvertrauen muss. Im verfallenen Palazzo der di Medicis wird Francesca in das düstere Geheimnis der Familie eingeweiht und nun weiß sie endlich, woher ihre immer wiederkehrenden Albträume, in denen sie von einem Dämon verfolgt wird,  kommen: Ein Fluch liegt auf allen Erstgeborenen der Familie di Medici. Ein tödlicher Fluch, der nicht nur sie, sondern ganz Venedig bedroht. Nur ein Buch dämonischer Natur kann ihn lösen und Venedig davor bewahren, in den Fluten zu versinken. Doch sie muss sich dem unheimlichen Dämon, der sie mittlerweile nicht nur in ihren Albträumen, sondern auch in der Realität verfolgt, entgegenstellen. Mit Hilfe ihrer Cousine Gianna und der Großmutter Fiorella beginnt für Francesca eine atemlose Jagd durch Venedig.

Ein wesentlicher Unterschied zu „Lilith Parker“ besteht darin, dass meine Protagonistin Francesca ein ganz normales Mädchen ist und keine übernatürlichen Fähigkeiten besitzt.  Nur ihre Entschlossenheit, ihr Mut und die Unterstützung ihrer Familie helfen ihr beim Kampf gegen das Böse. Dieser Roman spricht wahrscheinlich auch eine etwas ältere Leserschaft an, denn stellenweise geht es selbst für Erwachsene recht gruselig zu .

 

12. Gibt es eine spezielle Zielgruppe, die Sie mit Ihren Büchern erreichen möchten und die Sie auch schon während des Schreibens im Blickfeld haben oder sind Ihre Bücher für alle und jeden konzipiert?

Ich bin gerne Kinder- und Jugendbuchautorin, denn für mich sind Kinder die wertvollste Zielgruppen, die es gibt. Als Heranwachsende haben mich zum Beispiel die Bücher von Michael Ende geprägt  – es sind solche Autoren, deren Geschichten und Protagonisten einen für den Rest seines Lebens begleiten, die man für immer im Herzen trägt. Deswegen sehe ich mich gerne als „Geschichtenerzählerin“, die die Kinder an die Hand nimmt und mit ihnen in fremde, phantastische Welten reist.

 

13. In diesem Jahr wird nicht nur Teil 2 von „Lilith Parker“ erscheinen, sondern auch das Buch „Der Märchenprinz 2.0“ – worauf dürfen wir uns hier freuen?

„Der Märchenprinz 2.0“ ist ein unterhaltsamer, witziger Frauenroman, in dem es – wie sollte es anders sein – um Männer, Liebe, Beziehungen und Freundschaften geht. Der Roman handelt von allem, was Frauenherzen bewegt – außer um Schuhe. Dieses wichtige Thema habe ich mir für ein weiteres Buch aufgehoben.  ;-)

Es hat mir viel Spaß gemacht, diesen Roman zu schreiben, denn nach „Lilith Parker“ und „Die Schattenträumerin“ war es schön, sich auch mal wieder in die Gedankenwelt einer Frau hineinzuversetzen und sich mit „Erwachsenenproblemen“ beschäftigen zu dürfen.

 

14. Sie leben mit Ihrem Mann und Ihren 2 Kindern in der Nähe von Heilbronn. Nun ist das Leben als Mutter von 2 Kindern sicherlich auch stressig – wie vereinbaren Sie Familie und Beruf? Finden Sie noch im Alltag die nötige Ruhe zum Schreiben oder ziehen Sie sich bewusst dafür eine gewisse Zeit lang zurück?

In der Tat ist es manchmal schwierig, die nötige Ruhe zum Schreiben zu finden, doch zum Glück nimmt meine Familie sehr viel Rücksicht auf meine Arbeit.  Wenn ich sie kurz vor einem Abgabetermin darum bitte, mich nicht zu stören, respektieren sie das.

 

15. Kann man Sie auch live bei Lesungen sehen? Und wenn ja, wo?

Als nächstes werde ich im März auf der Leipziger Buchmesse sein, dort lese ich sowohl aus „Lilith Parker“ als auch aus der „Schattenträumerin“. Natürlich freue ich mich über jeden, der Lust hat, zu kommen und der Lesung zu lauschen!

 

16. Joanne K. Rowling machte es mit „Harry Potter“ vor, dass man sehr erfolgreich als Autorin von Fantasy Literatur werden kann. Sehen Sie Autoren, wie u.a. J.K. Rowling, als Vorbild an?

Ich denke, was J.K. Rowling mit „Harry Potter“ gelungen ist, ist und bleibt eine einzigartige Erfolgsgeschichte  - sie hat mit ihren Büchern Millionen von Menschen, und zwar egal welchen Alters, auf der ganzen Welt begeistert und es gibt fast niemanden mehr, dem „Hogwarts“, „Quidditsch“ oder „Lord Voldemort“ nicht ein Begriff wäre. Es wäre fatal, wenn man mit der Erwartung an eine Veröffentlichung geht, dass sich so etwas bei einem selbst wiederholen könnte. Im Normfall kann man sich als Schriftsteller glücklich schätzen, wenn man vom Schreiben leben kann.

 

17. Welche persönlichen Wünsche/Ziele für die Zukunft haben Sie?

Ich hoffe, dass ich mit meinen Geschichten noch viele Menschen begeistern und unterhalten kann. Es ist immer wundervoll, von den Lesern zu hören, dass sie das Buch nicht mehr beiseite legen konnten und völlig in „meine Welt“ abgetaucht sind. Hoffentlich wird mir das auch weiterhin gelingen.

Interview: Franziska Maier

Fotos: (c) Janine Wilk    

weitere Infos unter: www.janine-wilk.de