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Interview mit Jessica Schmidt (Big Brother 10)

 

> 1. Jessie, du gehörtest ja nicht zu den Bewohnern der „1. Stunde“ und bist erst etwas später (am 28.01.2010) ins BB Haus eingezogen. Doch wie kam es dazu, dass du dich überhaupt bei BB beworben hast?

 

 

J: Eigentlich war meine Bewerbung eher ein Scherz, bzw. vielmehr ein Ablenkungsakt. Ich war mitten im Examensstress und hatte dazu noch Ärger mit einem damaligen Freund... Ich dachte mir dass BB-Haus müsste doch ein guter Ort sein, um vor diesem ganzen Mist zu flüchten. Da habe ich einfach mal die Bewerbung ausgefüllt und wurde auch prompt zum Casting eingeladen... das ich aber wirklich einziehe hätte ich bei meiner Bewerbung nie gedacht!

 

> 2. Hattest du die früheren Staffeln bereits aufmerksam mit verfolgt?

 

 

J: Nein überhaupt nicht. Um ehrlich zu sein bin ich kein großer Freund solcher Formate. Lediglich die 1.Staffel habe ich verfolgt mit Jürgen und Zlatko die fand ich ziemlich unterhaltsam!

 

> 3. Welche Faszination übt für dich das Projekt oder Spiel „Big Brother“ aus?

 

 

J:... gute Frage... Wie gesagt, ich habe mich mit dem Thema BB nie so richtig befasst. Nachdem man mir mitteilte, dass ich einziehen könnte, dachte ich nur, dass das eine Gelegenheit ist, die sich nicht jedem bietet und ich diese Chance einfach nutzen sollte.. Ich hoffte dann, im Haus eine großartige Zeit zu verbringen, auf die ich immer gerne zurückschauen werde. Ich wollte in den Challenges aussergewöhnliche Sachen machen ,um an meine persönlichen Grenzen zu kommen, und so mehr über mich selbst erfahren... Aber wie sagt man gleich: Es sind die Erwartungen die zu Enttäuschung führen?! :-D

 

> 4. Von den Bewohnern des Hauses wurdest du herzlich aufgenommen, erst später kristallisierten sich Probleme mit vereinzelten Bewohnern heraus. Wie erklärst du dir das hohe Konfliktpotential innerhalb des Hauses?

 

 

J: "Probleme mit vereinzelten Bewohnern" ist ja so nicht ganz richtig ausgedrückt, vielmehr war es ja nur eine Person, mit der ich nicht so ganz harmonieren wollte. Und „Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf“ ist so gesehen als Konfliktursache zu nennen und somit die Erklärung für das hohe Konfliktpotential innerhalb der Gruppe. Wobei ich ausdrücklich betonen möchte, dass ich Klaus nicht mehr persönlich dafür verantwortlich mache, sondern vielmehr vermute, dass seine Rolle als Agressor von anderen Instanzen gewünscht war um gezielt Eskalationen zu erzeugen. Wir senken das Niveau um die Einschaltquote zu heben - ist ja auch ein einfaches und effektives Prinzip und scheint im Fall von BB sehr gut zu funktionieren.

 

> 5. Mit welchen Problemen hattest du ganz persönlich am meisten zu kämpfen?

 

 

J: Mit genau dem eben Beschriebenen. Man merkt, wie man instrumentalisiert wird, und wenn man sich darüber austauschen möchte um seinem Ärger Luft zu machen, wird man darauf hingewiesen, dass das "nicht thematisiert" werden darf. Es ist ja nicht so, dass ich nicht bereit gewesen wäre, mich an elementare, zwischenmenschliche Spielregeln zu halten, doch man hat anscheinend bereits ein"Autoritätsproblem", wenn man nicht so gern "von oben" beeinflussen und manipulieren wird bzw. sich weigert, vor der Teilnahme am Projekt sein eigenes Gehirn beim Pförtner abzugeben.. Leider gehöre ich zu den Menschen, die meinen dass wenn man im Recht ist, dieses auch ruhig sagen darf.

 

> 6. Welche Momente werden für dich unvergesslich bleiben – im positiven als auch im negativen Sinne?

 

 

J: Der Moment meines Einzugs. Ich war so aufgeregt, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Leider auch der Tod meiner Oma- das war ganz, ganz furchtbar für mich.

 

> 7. RTL2 vertrat stets den Slogan, dass diese Staffel „die härteste Staffel aller Zeiten“ sei – ist dies deiner Ansicht nach korrekt und hast du die Zeit im Haus wirklich als so hart empfunden?

 

 

J: Für den Zuschauer war es vermutlich die härteste Staffel aller Zeiten, denn die mussten sich den Scheiss ja mit angucken... Vielen Dank an dieser Stelle an alle Zuschauer, die so tapfer durchgehalten haben. Aber ich denke, die meisten Bewohner haben die Zeit im Haus nicht als besonders hart empfunden... obwohl... Extreme Langeweile und Lethargie können natürlich auch als harte Herausforderung gewertet werden, also unter dem Aspekt war es vielleicht doch wirklich die härteste Staffel aller Zeiten. ;-)

 

> 8. Habt ihr im Haus auf irgendeine Weise mitbekommen, wie es um die Beliebtheit der einzelnen Bewohner beim Publikum bestellt ist? (z.B. durch Zeichen bei der Live-Show etc.)

 

 

J: Ich habe vieles am Verhalten der Neueinzüge gegenüber der Bewohner im Haus kombinieren können und lag mit meinen Vermutungen immer richtig, wie ich nach meinem Auszug feststellen konnte. Manchmal konnte man auch Leute über die Mauer rufen hören, doch das war eher eine Seltenheit.

 

> 9. Wie kann man sich eure Statements im Sprechzimmer vorstellen – hattet ihr da einen Gesprächspartner, den die TV Zuschauer nicht gesehen haben oder habt ihr einfach eure Gedanken in eine Kamera gesprochen, ohne mit jemandem zu interagieren?

 

 

J: Darf ich aus vertraglichen Gründen nicht drauf antworten.

 

> 10. Das „Phänomen, bzw. Mysterium“ Klaus ist auch an dir nicht spurlos vorbei gegangen – wie erklärst du dir im Nachhinein den Hype um Klaus und wie hast du ihn als Mensch im Haus erlebt?

 

 

J: Klaus wurde meiner Meinung nach ganz bewusst als "working class hero" produziert und gepusht, und wenn das nicht auf Kosten der Images der anderen Bewohner geschehen wäre, wäre das vom mir aus auch okay gewesen.

 

> 11. Von Feinden zu Freunden: Wer war/en für dich im Haus die wichtigste/n Bezugsperson/en und weshalb?

 

 

J: Mir standen eigentlich alle Bewohner im Haus sehr nah, selbst ein Klaus hat nach dem Tod meiner Oma mit mir schwarz getragen, was ich ihm wirklich hoch anrechne. Jeder war auf seine Art für mich da. Die Gespräche mit Eva haben mir oft sehr geholfen.

 

> 12. Ist es allgemein gesehen wirklich so wichtig, Bezugspersonen zu haben, einfach vom psychologischen Standpunkt aus oder ist es eher für die Nominierungen bedeutend gewesen?

 

 

J: Ich habe dummer Weise nie taktisch nominiert, sondern eben immer die Person, die mich zu dem jeweiligen Zeitpunkt besonders stresste.

Aber Bezugspersonen sind natürlich immer super wichtig. Die Bewohner im Haus kompensieren ja während der Zeit irgendwie die Freunde und Familie.

 

> 13. Hast du auch nach deinem Auszug die 10. BB Staffel täglich mit verfolgt oder verliert das dann auch an Bedeutung, wenn man nicht mehr hautnah dabei ist?

 

 

J: Anfangs habe ich natürlich immer noch fleissig geguckt, aber mit jedem Auszug einer mir wichtigen Person, hat mein Interesse dann auch wieder rapide abgenommen... zumal ich ja weiss, wieviel man auf den Inhalt der TZF geben kann...

 

> 14. Am Ende waren ja fast nur noch die „Neulinge“ im Haus, also die Bewohner, die erst relativ gegen Ende einzogen. Viele Zuschauer fanden diesen Aspekt sehr negativ. Worin lag, deiner Meinung nach der Fehler, dass es soweit kam und kein Bewohner der „1. Stunde“ oder Monate mehr dabei war?

 

 

J: Naja, weil Klaus sie eben alle sehr strategisch rausgehaun hat... ist ja kein Fehler, ist ja irgendwie der Sinn des Spiels.

 

> 15. Bei der Finalshow waren die ehemaligen Bewohner nur auf dem Balkon zu sehen – jedoch schienen etliche Bewohner auch zu fehlen. Hat der Schein getrogen oder waren wirklich nur ca. 50% der Ex-Bewohner anwesend?

 

 

J: Es haben wirklich viele Bewohner, aus den unterschiedlichsten Gründen, gefehlt.

 

> 16. Jessie, wie sah deine Zeit nach dem Auszug aus? Wurdest du von Leuten auf der Straße darauf angesprochen?

 

 

J: "Wurde" ist gut... "werde" trifft es eher. Natürlich ist das auf der einen Seite ein riesen Kompliment, dass die Leute so Anteil an meinem Leben genommen haben und auch immer noch an meinem Befinden interessiert sind. Auf der anderen Seite kann ich mich an die ganze Aufmerksamkeit nur schwer gewöhnen... Ich meine Autogramme zu geben ist schon sehr komisch, denn ich kann und bin ja in dem Sinne nichts so wirklich...

 

> 17. Hast du deinen Einzug ins BB Haus jemals bereut?

 

 

J: Ich glaube, an bereut nur Chancen, die man nicht ergriffen hat, weil an dann nie weiss, was daraus hätte werden können. In der Retrosektive gehört meine Teilnahme an BB aber leider nicht zu den Dingen, auf die ich immer freudig zurückblicken werde.

 

> 18. Oft wurde BB von euch Bewohnern als „Spiel“ bezeichnet, doch manchmal kam es uns Zuschauern nicht mehr als reines Spiel vor, sondern als purer Ernst. Wie siehst du das – ist BB nur ein „Spiel“ oder entwickelt es sich zu einem psychologischen Selbstläufer, der Menschen auch drastisch verändern kann?

 

 

J: Natürlich ist BB ein Spiel. Das habe ich leider auch nie begriffen, denn wenn es um den Umgang mit anderen Menschen geht, dann kann und will ich nicht spielen. Da es auch vielen anderen so ging, wurde es wohl zum puren Ernst. Ich meine, das war ja unser Leben dort im Haus. Die Kameras und die Vorstellung, dass uns Leute zuschauen, habe ich sehr schnell ausgeblendet.

 

> 19. Wie wird nun dein beruflicher Werdegang weiterhin aussehen – immerhin hast du Englisch und Sport auf Lehramt studiert – stehst du bald als Lehrerin vor den Schülern, die nun BB sahen oder möchtest du im Showgeschäft Fuß fassen?

 

 

J: Erstmal werde ich jetzt länger auf Reisen gehen, bis sich die ganze Aufmerksamkeit um meine Person etwas gelegt hat. Als Lehrerin vor einer Klasse zu stehen, ist im Moment doch etwas schwierig, denn Lehrer, die im BB-Haus gewohnt haben, sind auf dem Arbeitsmarkt wohl grade nicht so wirklich gefragt, dafür habe ich meine Schüler wohl zu gut entertaint. Die Medienwelt, so wie ich sie bisher kennengelernt habe, ist allerdings auch nicht so wirklich mein Ding... Leute wie Klaus sind da schon eher für geschaffen, denn ich will sein wie ich bin, ohne in eine Rolle oder Position gezwungen zu werden. Wenn ich etwas mache dann "not only for the money and the fame", sondern weil ich mich 100% damit identifizieren möchte. Ich möchte mich nicht im Fernsehen sehen und mit denken müssen"Mein Gott bist du peinlich, aber naja das Geld stimmt und berühmt bist du auch", und genau das war das Problem bei BB.

Ich habe da noch das ein oder andere Projekt in Planung, doch darüber werde ich während meiner Reise noch ein wenig sinnieren... und wer weiss, viel.komme ich auch gar nicht wieder und Gründe eine Tauschschule in Australien und werde endlich Lebenskünstler ;-)

 

20. Jessie privat – wie verbringst du deine Freizeit?

 

 

J: Ich lese sehr viel und wenn ich nicht grade irgendwelchen Sport treibe am liebsten mit Freunden und Familie. Ansonsten bin ich in Bezug auf Niveau und Gestaltung der Freizeit ziemlich flexibel.

 

> 21. Hast du noch Kontakt zu den ehemaligen BB Bewohnern und falls ja, mit wem?

 

 

J: Mehr oder weniger mit allen... ja gut außer: Klaus, Aleks, Oma Anne, Mark, Rene, naja die eben...

 

> 22. Hier ist nun noch Platz, unseren Lesern das mitzuteilen, was dir wichtig ist:

 

 

J: Rosen sind rot, Veilchen sind blau...

 

 

Vielen Dank, Jessie, für die Beantwortung der Fragen - auf deinem weiteren Lebensweg wünschen wir dir alles Gute!!