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Interview mit Silke Kayadelen

 

 

1. Silke, unseren Lesern sind Sie als TV Fitness Coach, Ernährungsberaterin, Personal Trainerin sowie Buchautorin bekannt. War es denn bereits von Kindesbeinen an Ihr Wunsch, den Sport zum Beruf zu machen oder hatten Sie ursprünglich völlig andere berufliche Ziele?

 

SK: Eigentlich habe ich einen ganz eigentümlichen Werdegang zu verzeichnen. Zuerst besuchte ich die Hauptschule. Ursprünglich wollte ich immer das Gymnasium besuchen, doch dafür reichten einfach meine Noten nicht. Dazu war ich immer schon sehr sportlich und für manche Sachen benötigte ich stets etwas länger Zeit als andere – ich war also nie so der Durchstarter. In der 10. Klasse bewarb ich mich beim Amtsgericht, da ich Justizangestellte werden wollte. Allerdings nahmen diese keine Hauptschüler, aber ein Praktikum durfte ich machen und da ich mich bewährte, machten diese eine Ausnahme und nahmen in meinem Abschlussjahrgang tatsächlich 6 Hauptschüler auf. So absolvierte ich meine dreijährige Lehre dort und arbeitete ein Jahr in diesem Beruf. In der Konkurs-und Zwangsversteigerungsabteilung war ich zugange. Nebenher war ich sportlich aber immer permanent aktiv, so war ich bei der Taekwondo Weltmeisterschaft dabei und merkte auch in mir, dass es doch nicht mein Weg ist, nur staubige Akten zu sortieren und zu bearbeiten. Ich unterrichtete auch Kinder-Taekwondo. Tja und dann kündigte ich meine Stelle und machte mein Abitur nach, dazu gab ich weiterhin Sportkurse. Nach meinem Abitur bekam ich noch meine Tochter, die mittlerweile 18 Jahre alt ist und danach begann ich, Sport zu studieren. Ursprünglich mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Doch als ich ein Praktikum in der Schule absolvierte merkte ich, dass dies auch nicht meine Richtung ist. Ich möchte Menschen Spaß an der Bewegung vermitteln und in der Schule ist das doch sehr mit Zwang verbunden und im Endeffekt haben die Kinder nie wieder Lust auf Sport, wenn man hier eine falsche Basis legt. Das Grundstudium schloss ich ab mit dem ersten Staatsexamen, danach wollte ich an die Sporthochschule in Bochum, bekam aber dann einen Job und leitete ein Bürger-, Sport-und Kulturzentrum. Dies ist vergleichbar mit einer Volkshochschule, mit Sport-, Sprach- und Kreativkursen. Dort begann ich mit „Molli-Kursen“ für Übergewichtige, was sehr gut ankam, da diese Menschen nicht gerne ins Fitness-Studio gehen, was ich auch von mir kannte als ich übergewichtig war. Drei Jahre leitete ich dieses Zentrum, dann zog ich nach Stuttgart, da mein Mann hier beruflich tätig war und machte mich selbstständig als Personal Trainerin. Eines Tages sah ich „Besser Essen“ auf Pro 7 und dachte mir: Das kann ich auch! So bewarb ich mich bei dem TV Sender, bekam eine Einladung zum Casting in Köln und wurde genommen. Letztendlich zog ich wieder nach Essen und leite dort mein eigenes Abnehmstudio „active 4 fun“ und dann kam „The biggest loser“, ich schrieb mein Buch und bekam weitere TV Angebote und seither bin ich also auch im TV tätig und widme mich ausschließlich dem Sport.

 

 

2. In der Kabel 1 Sendung „The biggest loser“, die immer dienstags, um 20.15 Uhr zu sehen ist, sind Sie regelmäßig als Coach der Kandidaten zu sehen. Ist es für Sie eine besondere Herausforderung die übergewichtigen Kandidaten zu coachen und diese zum Abnehmen zu bewegen?

 

SK: Wenn ich nicht von mir ausgehe, dann ist es natürlich schwieriger mit übergewichtigen Menschen zu trainieren und zu arbeiten. Aber ich suchte mir dieses Gebiet ja gezielt aus, da es mir einfach am besten liegt. Es gibt natürlich viele Trainer, die mit Übergewichtigen nicht arbeiten können, leider sprechen diese auch sehr negativ über solche Kunden. Erst neulich kam ein Test im Fernsehen, bei dem sie eine dünne und eine übergewichtige Frau ins Fitness Studio schickten und um die Dünne wurde sich gekümmert, um die Stabile nicht. Als ich noch übergewichtig war, hatte ich leider ähnliche Erfahrungen machen müssen. Mich hat beim Training keiner angefasst.

 

 

Aber mir war wichtig, dass ich angefasst und auch korrigiert werde und wenn man schon merkt, der Trainer ekelt sich vor einem, wird das Selbstwertgefühl noch viel schlechter als es ohnehin schon ist. Ich habe gemerkt, dass ich einfach ein Händchen dafür habe, mit Übergewichtigen zu trainieren. Andere Trainer schicken mir sogar übergewichtige Kunden, weil sie nicht mit ihnen arbeiten möchten und können.

 

Es ist natürlich nicht einfach, mit Menschen zu arbeiten, die 160 oder 190 kg haben. Man muss genau wissen, was man mit diesen Menschen machen kann oder welche Übungen man ihnen nicht zumuten darf. Für andere ist dies sicherlich eine schwierige Aufgabe, aber mir wurde dies einfach die Wiege gelegt und darum stehe ich voll hinter dem, was ich mache

 

 

3. Natürlich interessiert unsere Leser auch, wie es dazu kam, dass Sie Teil dieser Sendung wurden. Kam der TV Sender auf Sie zu?

 

SK: Ich war zuvor schon bei einigen anderen TV Sendungen zu sehen, habe beispielsweise die Sendung „Besser Essen“ (Pro 7), "Galileo“ gemacht oder" Projektparadies", das war eine Fastensendung für Prominente und Kabel eins kam auf mich zu und stellte mir das Projekt "The biggest loser“ vor. Es gab bereits schon mal eine Ausgabe von diesem Sendeformat, damals noch mit Kati Witt und zwei anderen Trainern, doch hier lief die Sendung nicht so erfolgreich und dennoch wollte der Sender erneut dieses Format starten und ich wurde dafür angefragt. Ich sagte spontan zu und war bei der ersten Staffel auf Mallorca mit dabei. Allerdings dachte ich mir damals, oh mein Gott, mit so Übergewichtigen habe ich bisher noch nie gearbeitet. Und damals suchte ich mir sofort Serap und Gamze heraus, Serap hatte  fast 200 Kilo, Gamze 100 Kilo, das war für mich eine wahre Herausforderung. Und bis heute habe ich Kontakt zu den beiden und bin ganz stolz auf sie, dass sie sehr viel abnahmen und ihr Gewicht halten.

 

Ich hätte mir damals auch die dünnsten des Camps heraussuchen können, doch das wäre für mich keine Herausforderung gewesen. Und da kann man als Trainer auch stolz sein, denn wer kann schon aus einer 200 Kilo Frau eine 120 Kilo Frau machen! Jetzt, bei der aktuellen Staffel, hatte ich bereits mehr Erfahrung und wusste genau, auf was es ankommt. Und besonders schön zu sehen ist, dass die Kandidaten bis heute zu mir in mein Abnehmzentrum in Essen-Werden kommen und mit mir trainieren, dazu verzeichnen sie auch stetige Abnehmerfolge. Ich freue mich auch immer wieder, wie schön die Gesichter der Kandidaten werden, wenn sie abgenommen haben. Beinahe bekomme ich auch immer Tränen in den Augen, da ich mir denke, das ist wieder ein Leben, das du indirekt gerettet hast. Denn hätte der Kandidat nicht bei der Sendung mitgemacht, wer weiß, was dann aus ihm geworden wäre.

 

 

4. Kommen wir nochmals zurück zu den Kandidaten. Fast alle Altersgruppen sind dabei und es ist oft erschreckend zu sehen, wir teilweise schon sehr junge Menschen extremes Übergewicht haben. Worin liegt Ihrer Meinung nach die Ursache, dass die Kandidaten in ihrem Leben so viel Gewicht zulegten?

 

SK: Das Schlimmste für mich ist, wenn Menschen mich ansehen und sagen: weshalb sind die so fett geworden! Da werde ich bereits aggressiv und ich erinnere mich noch daran, dass ich in der ersten Woche des Camps mit einer Putzfrau den Fahrstuhl hochfuhr, sie sah mich an und sagte nur: "Wie kann man nur so fett werden?" Ich hätte ausflippen können, denn ich habe eine Beziehung zu den Menschen und ich frage mich immer, wie man sich so etwas anmaßen kann und so über andere urteilen. Ich frage ja auch nicht, warum raucht einer so viel. Es gibt viel mehr Suchtarten, weshalb trinkt einer so viel oder warum ist eine ein Workaholic? Diese Leute sind einfach dick geworden, weil sie eine Essstörung haben, der sie nicht entkommen können und die immer schlimmer wird. Je mehr ich wiege, desto mehr lasse ich alles andere schleifen, wiege mich nicht mehr, esse immer mehr und baue stetig Muskeln ab. Das ist ein Teufelskreis und irgendwann ist es den Leuten so egal, was viel sie nun wiegen, dass sie kontinuierlich weiter essen und kein Sättigungsgefühl mehr haben, selbst nach drei McDonald's Menüs nicht mehr satt sind. Meistens merken diese Leute erst, wenn es beinahe zu spät ist, dass sie etwas verändern müssen, also wenn der erste Schlaganfall oder Herzinfarkt als Warnsignal da ist. Meistens fängt dieses Problem in der Kindheit an und ansonsten liegt es daran, dass sie sich viel zu wenig bewegen, falsch oder zu viel essen.

 

 

5. Sie gelten bei „The biggest loser“ als ziemlich harte Trainerin, die viel von ihren Schützlingen verlangt. Ist es Ihnen wichtig, dass die Kandidaten einen großen Respekt vor Ihnen haben und auch an Ihre Grenzen gehen müssen, um bei Ihnen zu bestehen?

 

SK: Ich bin kein Drill Instructor, ich möchte Leute nicht anschreien müssen, damit sie Leistung bringen, das ist nicht meine Art. Ich werde zwar laut, aber nur, um sie zu motivieren über ihre eigenen, ganz individuellen Grenzen zu gehen.

 

Mir ist wichtig, ein positives Gefühl zu vermitteln, ihnen nicht noch mehr Gründe zu geben, sich schlecht zu fühlen. Gerade diese Leute müssen ein positives Gefühl zum Sport entwickeln, natürlich brauchen sie auch  manchmal den berühmten Tritt in den Hintern, aber dies sollte nie respektlos sein. Es sollte ihnen auch nicht das Gefühl vermitteln, dass sie schlecht sind oder etwas nicht können.  Im Gegenteil, man sollte sie dazu auffordern, über ihre Grenzen hinaus zu gehen. Respekt haben sie sowieso vor mir, aber dadurch, dass sie merken, dass ich mich um sie bemühe und sie mir nicht egal sind. Auch wenn die Kamera aus ist, arbeite ich mit ihnen weiter und bin für die Kandidaten da. Und genau das ist das Wichtige daran. Auch wenn ich trainiere, ist es mir wichtig, dass sich angefeuert werde. Ich möchte grundsätzlich kein negatives Gefühl vermitteln, denn das Körperbewusstsein und Selbstwertgefühl der Menschen ist sowieso schon sehr schlecht und mit einer falschen Taktik kann sehr viel zerstört werden.

 

 

6. Der psychische Druck ist im Camp ebenso sehr hoch, alleine schon von den diversen Spielen und Challenges ausgehend. Sind Sie aktiv in der Planung und Entwicklung der Spiele und des Konzeptes der Sendung involviert oder erhalten Sie ein fertiges Produkt, das Sie umsetzen sollen?

 

SK: Wir Trainer sind für das Training zuständig und ich auch speziell für die Ernährung der Kandidaten sowie für die Betreuung. Was an Spiele gezeigt wird, ist nicht unser Revier. Die Moderation der Spiele übernimmt immer Regina Halmich, aber mit der Planung haben wir nichts zu tun.

 

Wir Trainer haben unsere Aufgaben, wir sind für das Training und die Betreuung zuständig, zusätzlich ist Andreas als Motivationscoach und ich als Ernährungscoach tätig.

 

Hätten wir eine gute Idee, wäre ich mir sicher, dass wir auch diese ins Konzept einbringen könnten.

 

 

7. Wie können wir uns den Dreh zu einer Staffel von „The biggest loser“ vorstellen? Wie lange wird täglich gedreht und wie lange insgesamt? Der Zuschauer sieht ja immer nur einen Bruchteil von allem!

 

SK: Ja, leider! So habe ich auch häufig mit den Kandidaten gekocht oder leckere Nasch-Alternativen hergestellt. Das ist eine ganz lustige Geschichte, so stellte ich meine Energiekügelchen mit Team schwarz, Mutti und Roger her. Diese bestanden aus Nüssen, Rosinen, Haferflocken, Milch und Honig. Aus dem Teig wurden runde Kügelchen geformt, die sehr gesund sind, also eine Art runder Müsliriegel, den auch Mütter ihren Kindern geben können als gesunde Alternative für Schokolade. Peter hat eines gekostet und bekam einen allergischen Schock, da er auf eine Zutat extrem reagierte. Beinahe hätte ich also einen Kandidaten mit diesem gesunden Essen fertig gemacht. Leider  wurde das nicht gezeigt, wie so vieles nicht. Aber das ist normal, da aus den vielen Aufnahmen ja zum Schluss eine Geschichte erzählt wird und ich finde jede einzelne Folge sehr gut  gemacht. Sie sind spannend, lustig und sehr  emotional , ich verpasse keine Folge!!!

 

Ich habe ja neun Wochen gemeinsam mit den Kandidaten gewohnt und da ist viel geschehen. Eigentlich hatten wir Trainer am Wochenende frei, aber blieben dennoch da, da sich auch die weite Heimreise nicht gelohnt hätte. So ging ich oft am Wochenende mit den Kandidaten walken, damit diese sich auch an Sport im Freien gewöhnen konnten. Der Dreh dauert insgesamt lange, da viele auch noch einzelne Sequenzen aufnehmen und dies sich bis abends zieht. Also nicht nur für die Kandidaten, sondern für das ganze Team schon eine sehr anstrengende Zeit. Sieht man aber zum Schluss das Ergebnis, sind alle Anstrengungen vergessen und man freut sich, wenn es wieder anfängt

 

 

8. Läuft man als Trainer nicht Gefahr, dass Menschen, die noch nie oder sehr selten Sport trieben, durch diese plötzliche Überlastung sich dann eher mental verschließen und man gar nicht mehr zu ihnen vordringt?

 

SK: Als Trainer sollte man seine Kandidaten sehr gut kennen, so waren beispielsweise bei Peter nach einer Trainingseinheit die Lippen blau und hier unterbrach ich sofort und sagte zu ihm, er solle nur auf und ab gehen und das ganz langsam. Ansonsten merkt man natürlich, dass die Kandidaten stark unter Druck gesetzt werden, sie sind weg von zuhause, Leben zu zweit in einem Zimmer, das sind alles zusätzliche Faktoren, die das Camp erschweren. Ich gehe nie so weit, dass einer weint, daher glaube ich auch, dass ich Team Gelb auch anders in den Griff bekommen hätte. Was meine Trainerpersönlichkeit angeht, so bin ich zum Beispiel auch ein völlig anderer Typ als Andreas, schon alleine meine Stimme nicht zu durchdringend, da ich eine Frau bin und ein anderes Volumen haben. Ich gehe nie bis zur totalen Überforderung, ich erkenne diese und beende dann die Anstrengung. Ich kann mich an mein Training als Leistungssportlerin erinnern. Da wurde oft trainiert bis sich Leute übergeben mussten oder geweint haben. So etwas mache ich nicht.

 

 

9. Was ist denn Ihr Tipp für alle, die es nicht so weit kommen lassen wollen und fit, gesund und schlank bleiben oder auch werden möchten? Viel Sport treiben? Wenig essen?

 

SK: Das Wichtigste ist, dass ich eine Sportart finden muss, die mir Spaß macht. Zwei bis dreimal die Woche sollte ich schon Sport treiben, um Ergebnisse zu sehen. Wenn man beruflich sehr eingeschränkt ist, sollte man es mindestens auf zwei mal schaffen. Diäten sollte man an sich überhaupt nicht machen, aber eine Ernährungsweise muss man für sich finden, die gut für einen ist, ob man nun Kohlenhydrate abends weglässt oder schlank im Schlaf macht oder Weight watchers, da gibt es 1000 Sachen, im Endeffekt zählt nur die Kalorienaufnahme. Man muss einfach mehr verbrauchen als das, was man isst. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit meinen drei Mahlzeiten, die ich täglich zu mir nehme, gemacht. Abends sollte man nicht zu spät essen und sich ab und zu auch etwas gönnen, man sollte mit dem Essen wie mit dem Geld umgehen und hauswirtschaften. Besonders bei Frauen ist es wichtig, Muskeln aufzubauen. Denn sonst kommen sie soweit, dass sie 40 oder 50 Jahre alt sind und zwar sehr wenig essen, aber dennoch stetig zunehmen. Der Stoffwechsel verändert sich und die Muskulatur baut sich stetig ab. Dabei verbrauchen Muskeln vielmehr Energie und Fett. Das sollte einem bewusst sein und daher ist es wichtig, dass man sich zwei bis dreimal die Woche zum Beispiel mit einer Freundin zusammen verabredet und mit dieser regelmäßig Sport treibt. Sollte jemand Rheuma haben, kann er auch schwimmen gehen. Insgesamt kann man sich nicht herausreden. Bei mir im Studio gibt es zum Beispiel eine Flat und es wird kontrolliert, die Leute müssen regelmäßig kommen und beispielsweise Gruppenkurse besuchen, sie sind also nie alleine und dann wird abgehakt. Wenn einer also zwei bis dreimal nicht regelmäßig erschien, wird direkt nachgefragt. So überlistete ich den Schweinehund bei den Leuten und das ist sehr wichtig. Die Kontrolle ist sehr bedeutend in diesem Fall.

 

 

10. Auf Ihrer Homepage „active 4 fun“ sind interessante Angebote zu finden – so wird unterteilt in: Active Fitness, active Weekend, Active Single Day und vieles mehr. Welches Grundkonzept steckt hinter „active 4 fun“ und was erwartet die Menschen, die Teil Ihres Konzeptes werden möchten?

 

SK: Übergewicht hat oftmals nicht immer nur mit dem Essen zu tun oder ob ich Sport mache oder nicht. Wenn ich zum Beispiel früher übergewichtig war, bin ich nicht weggegangen. Man hat sich isoliert und wenn ich wieder abgenommen hatte, wurde ich auch wieder aktiver. Viele Übergewichtige trauen sich auch gar nicht mehr zu tanzen, dabei verbrennt man hier sehr viele Kalorien. Und wenn man dann noch über 30 ist, kann man schon gar nicht mehr in normale Discos gehen, da man von Achtzehnjährigen dumm angeschaut wird. Darum dachte ich mir, dass sich in meinem Club Big Fun Partys veranstalte, für genau diese Menschen, die sonst keine Plattform finden. So können die Leute tanzen, haben Spaß und verbrauchen in dieser Zeit schon Kalorien, ohne es zu merken. Es gibt Singles ohne Ende, dies habe ich vor allem gemerkt, als ich selbst noch vor einiger Zeit dazu gehörte. Um mich herum nur Frauen, die keine Männer finden oder Männer, die keine Frauen finden. Wenn man nun zu einem Date geht, ist man immer befangen und irgendwie komisch. Doch wenn man einen active single day macht, dann macht man zusammen Sport, trifft sich, ist locker und lernt neue Menschen automatisch kennen. Das Abnehmen, Sport, Kommunikation, Bewegung und das soziale Umfeld, wenn das alles eins ist, dann geht mein Konzept auf. Die Menschen sollen aus ihrer Isolation herauskommen. Das ist für mich mein Gesamtkonzept. Leider fehlen mir noch Leute an meiner Seite, die das Konzept noch stärker umsetzen ich habe bereits ein kleines Team mit 2-3 Leuten an meiner Seite, es fanden auch schon drei Big Fun Partys statt, doch ich benötige noch weitere Hilfe, damit alles perfekt wird. Das Konzept jedoch finde ich sehr gut und stehe auch voll dahinter!

 

 

11. Haben Sie durch Ihre TV Präsenz auch viele neue Mitglieder bei „active 4 fun“ verzeichnen können?

 

SK: Ja, allerdings noch nicht in diesem Maße wie bei meinem Kollegen Andreas, der schon seit vielen Jahren sein Studio hat, wobei das auch besondere Leute sind, die dort hingehen. Das sind vorwiegend Leute, die boxen wollen. Bei mir ist das Problem, dass viele gar nicht wissen, dass ich in Essen ein Studio habe, also ein Abnehmzentrum. Ich muss einfach noch viel mehr Werbung dafür machen, zum Beispiel bei Fernsehberichten oder Interviews. Da bin ich noch viel zu wenig Geschäftsfrau und zu emotional. Ich achte mehr darauf, was ich mit den Leuten mache und weniger auf die Werbung. Doch das kommt meinen Kunden auch zugute und im Nachhinein wird sich auch der Werbefaktor legen.

 

 

12. Können Sie sich noch regelmäßig um die Kurse in Ihrem Studio sowie um die Bedürfnisse Ihrer Kunden widmen? Sie haben ja durch die TV Drehs etc. ein hohes Zeitpensum zu absolvieren.

 

SK: Wenn“The biggest loser“ gedreht wird, ist das schon ein langer Zeitraum von 8-9 Wochen, der mich voll beansprucht. Ansonsten achte ich darauf, dass manche TV Drehs auch bei mir in der Gegend gemacht werden, das ist dann o.k. und wenn man jede Woche zum Beispiel so einen eintägigen Dreh hat, dann ist das nicht so schlimm, wenn man nun am Stück acht oder neun Wochen fort ist, muss man schon darauf achten, dass die Leute einem nicht weglaufen.

 

 

13. „Ich coach dich schlank“ ist der Titel Ihres Buches, das Sie stets den Menschen empfehlen, die bei Ihnen Rat und Hilfe suchen. Auch eine hilfreiche Fitness DVD ist enthalten. Können sie uns in Kürze beschreiben, welche Tipps und Tricks Sie in Ihrem Buch den Menschen geben – vielleicht wird ja der ein oder andere neugierig und geht morgen gleich in den nächsten Buchladen, um sich das Werk zuzulegen.

 

SK: Das Buch ist eigentlich für alle da, ob jemand nun vier Kilo oder 40 abnehmen möchte, ist egal. Es ist jedoch schon für die Leute, die viel versucht haben, aber kurz vor dem Aufgeben sind und Angst vor dem Versagen haben, wenn sie wieder etwas Neues anfangen. Mein Buch vermittelt, dass man sich keinen Stress machen sollte und ganz langsam beginnen muss. Du darfst kein schlechtes Gewissen haben und du musst dich lieben. Natürlich kann ich ein Stück Kuchen essen und mich ganz schlecht danach fühlen. Dann werde ich noch stärker frustriert und esse weiter. Oder ich esse es und fühle mich dabei gut. Ich selbst hatte eine Essstörung, die auch immer bleiben wird wie eine Tätowierung, die immer schwächer wird. Ab und zu habe ich noch Fressattacken und ich lasse sie passieren, denn am anderen Tag ist sie wieder vorbei. Früher hatte ich diese 3-4 Wochen lang und nahm stetig an Gewicht zu. Es muss einem klar werden, dass man nur den eigenen Körper hat und wenn ich den hasse, wer soll mich denn dann lieben? Die meisten haben keine Verbindung mehr zwischen Kopf und Körper, man würde sonst mit keinem so schlecht umgehen wie mit seinem Körper. In mein Auto giesse ich besseres Öl rein als das mit dem ich koche. Das Auto pflege ich, aber mich selber nicht. Man muss lernen, sich zu lieben. Und ich fange langsam an mich zu verändern, wenn ich in einer Woche 500 g abnehme, dann ist das super. Mehr muss gar nicht sein.

 

 

14. Kommen wir nochmals zum Thema Abnehmen zurück: Der Markt von vielversprechenden Abnehmprodukten ist voll. Für alles gibt es ein Pulver, eine Nahrungsergänzung und Co. Was halten sie persönlich von diesen Dingen? Sinnvoll oder das Geld zum Fenster rausgeworfen?

 

SK: An sich ist vieles nur Schwachsinn. Woran ich selbst festhalte ist, dass ich mir morgens eine Art Milch Shake zubereite und diesen anstelle eines Frühstücks trinke. Das ist nun kein Eiweiß Shake, sondern auch Kohlenhydrate sind reichlich enthalten morgens kann ich einfach nichts frühstücken. Daher habe ich diese Alternative, die ich dann vor meinem ersten Kunden, wenn ich Auto fahre, trinke. Auch nach dem Training trinke ich keinen Eiweiß Shake, obwohl man das machen kann, da es dem Körper und den Muskeln einiges gibt. Essen muss auch Spaß machen und durch solche Abnehmprodukte wird der gesamte Spaß genommen. Man kann sich auch gesund ernähren und dennoch abnehmen. Und wer solche Crash Diäten durchzieht, nimmt danach doppelt an Gewicht zu. Der Mensch muss lernen, sein Essverhalten zu ändern und zu kontrollieren und das wird mit solchen Produkten nicht erreicht. Wenn ich mich schlecht ernähre, habe ich auch keinen Hunger auf gute Sachen, aber wenn ich mich gut ernähre, greife ich plötzlich auch wieder zu den gesunden Produkten.

 

 

15. Haben Sie durch die Präsenz im TV bisher einen regelrechten Promistatus erhalten und werden Sie auch auf der Straße von Passanten angesprochen oder hält es sich noch in Grenzen?

 

SK: Ich war erst neulich bei der Sportmesse FIBO in Essen unterwegs und wurde auch prompt am ersten Tag gleich angesprochen, ob ich bereit wäre, ein Foto mit jemandem zu machen. Doch anfangs war ich ganz erstaunt und dachte nur, was, mit mir? Seit der zweiten Staffel ist es mittlerweile schon viel stärker und häufiger als bei der ersten. Aber es ist durchweg positiv und so kamen auch schon Ärzte auf mich zu, die mich auf meine Arbeit ansprachen und das ist mir wichtig, ich bleibe mir und meinem Konzept treu und möchte auch das den Menschen vermitteln. Einmal wurde ich  für ein Projekt in Afrika angefragt, bei dem ich auch mit Jugendlichen arbeiten sollte, die übergewichtig waren, doch diese suchten eine dominante Trainerin und mir war sofort bewusst, in welche Richtung dieses Projekt gehen sollte. Und das lehnte ich strikt ab. Da habe ich doch lieber ein bisschen weniger Geld, aber bleibe mir treu!

 

 

16. Sie geben auch Unterricht als Personal Trainerin: Wie sieht Ihr Coaching hier aus?

 

SK: Normalerweise kommt ein Personaltrainer zu den Menschen nachhause. Aber mittlerweile kann ich mir das zeitlich nicht mehr leisten und ich sage zu meinen Kunden, dass sie zu mir, in mein Studio, kommen sollen. Dennoch habe ich einige Kunden, die mich buchen und da mache ich dann 1 h Training, einmal die Woche heißt es ab auf die Waage und wenn ich gefragt werde, ob ich auch mit den Kunden gemeinsam kochen kann, mache ich auch dies. Es wird von mir ein hartes Training aufgebaut, damit diese Kunden auch zweimal in der Woche so richtig viel Kalorien verbrennen. Kommen Feiertage, wie beispielsweise nun Ostern, erhalten Sie die Anweisung, Cardio Training selbst durchzuführen. Und gemeinsam gehen wir den Weg so lange, bis das Wunschgewicht erreicht ist. Das Wichtige ist, dass man die Menschen dort auffängt, wo das Gewicht stagniert, es ist eigentlich egal, ob das Gewicht wie bei einer Treppe nach unten geht, Hauptsache es geht nach unten. Dass das Gewicht stagniert, ist normal, doch viele sind an so einem Punkt frustriert und hören auf, sich um ihr Gewicht zu kümmern. Meine Kunden möchten einen gewissen Druck haben und eine Person, die Ihnen genau sagt, was zu tun ist. Und so nehmen die meisten auch ab!

 

 

17. Sport ist Ihr Leben, so scheint es jedenfalls. Haben Sie in Ihrer sicherlich knapp bemessenen Freizeit auch noch weitere Hobbies und wenn ja, welche?

 

SK: Oh, da muss ich in Ruhe überlegen. In den letzten zwei Jahren hatte ich überhaupt keinen Urlaub. Ich habe nur gearbeitet und selbst wenn ich zu meinem Freund fahre, habe ich meine Wanderstöcke im Auto. Manchmal bin ich aber gerne auch so richtig faul und liege einen ganzen Sonntag lang nur auf der Couch und lasse es mir gut gehen. Das ist mein Weg der Entspannung. Ansonsten mag ich gerne Wellness, ich liebe Massagen, aber ich gehe auch gerne wandern, Bewegung ist für mich schon sehr wichtig. Ich mag es einfach, wenn man abends ins Bett fällt und einfach kaputt ist. Ansonsten schaue ich mir gerne schöne Filme an, gehe gerne ins Kino, aber mehr kann ich auch gar nicht sagen, denn alles hat im Endeffekt irgendetwas mit Sport zu tun!

 

 

18. Welche Zukunftspläne und Wünsche haben Sie?

 

SK: Es ist auf keinen Fall so, dass ich mir vorstelle, die große Fernsehkarriere zu starten. Aber ich möchte schon einen besonderen Platz als Fitness und Ernährungsexpertin in Deutschland haben. Ich bin kein Ernährungswissenschaftler, aber es soll den Menschen klar sein, dass ich zur Stelle bin, wenn es um übergewichtige Kinder oder allgemein übergewichtige Menschen geht. Ende Mai bin ich in Aichach bei einer Podiumsdiskussion mit dem Gesundheitsminister und ich möchte den Bereichen Ernährung, Fitness und Übergewicht ausbauen sowie mich als Expertin etablieren. Und natürlich liegt es mir sehr am Herzen, mein Studio, also mein Baby, bekannt zu machen. Dazu noch größere Räume haben, um mein Konzept noch besser umsetzen zu können. Ich stelle mir das so vor, dass es in der Mitte einen großen Raum gibt, in dem die Fitnesskurse stattfinden und außen herum sind wie bei einer Art Zirkeltraining Geräte aufgebaut, an denen die Leute, die sich noch nicht in einen Kurs trauen, erst einmal etwas tun können und dabei auch den Leuten zuschauen, die gerade aktiv sind. Das wäre mein Traum und wenn der in Erfüllung geht, bin ich glücklich.

 

 

Weitere Infos unter:

 

 

http://www.active4fun.de/

 

Text: Franziska Maier

 

Fotos zur Verfügung gestellt von Silke Kayadelen, Kabel 1,

 

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