Können Pflanzen böse sein? – Spannende Lesung mit Buchautorin Susanne Mittag in der Buchhandlung Straub
Die Buchhandlung Straub, im Herzen Ostfildern Nellingens, ist bekannt dafür, dass sie in unregelmäßigen Abständen besondere Lesungen veranstaltet. So auch geschehen am Samstag, den 19.11.2011. Susanne Mittag gab sich die Ehre, um ihr neues Buch „Sternenkraut“ vorzustellen. Diese Lesung war in der Tat ein Heimspiel für die Autorin, da sie seit rund 15 Jahren mit ihrer Familie hier zu Hause ist. Und obwohl Frau Mittag in ihrem Leben bereits unzählige Male umzog und dabei auch viele verschiedene Bundesländer kennenlernte, bezeichnet sie Ostfildern nun doch als Heimat, da es die Stadt ist, in der auch ihre Lieben zu Hause sind.
Susanne Mittag ist Autorin aus Leidenschaft und man merkt ihr auch an, wie viel ihr an ihren Büchern liegt. „Es ist, als würde man ein Baby hergeben, wenn man sein Skript zum ersten Mal dem Verlag übergibt“, so Susanne Mittag auf die Frage, wie stark sie mit ihren Werken verbunden sei. Die Welt der Fantasie und der Mystik haben es ihr besonders angetan, so spielte auch in ihrem Erstlingswerk „Melina und die vergessene Magie“ die Welt des Unerklärlichen eine große Rolle. Doch wer nun denkt, dass „Sternenkraut“ mit diesem Buch gleichzusetzen sei, der irrt sich:
Die dreizehnjährige Stella hat eine besondere Gabe. Sie kann mit Pflanzen Kontakt aufnehmen und spürt, was ihnen fehlt. So verbringt sie am liebsten ihre Zeit im Blumenladen ihres Vaters und anstatt mit Gleichaltrigen Glitzersteine zu tauschen, beschäftigt sie sich mit der Pflanzenwelt. Ziemlich ungewöhnlich, doch hinzu kommt noch die Tatsache, dass Stella eine Sprache spricht, die es so bisher nie gab. Sie nahm zwar stets an, dass sie diese von ihrer Mutter vererbt bekam, die starb als Stella zwei Jahre alt war und dass es sich hierbei um Walisisch handele, doch dass dem nicht so ist, stellt sich spätestens heraus, als ein unheimlicher Fremder in Stellas Heimatstadt auftaucht, der die „Pflanzenflüsterin“ sucht. Der dunkle Mann mit Zylinder und Gehrock wird zu Stellas Schicksal und eine Reise voller Abenteuer beginnt…
Dass vorwiegend junge Mädchen zur Lesung in die Buchhandlung Straub kamen, hat wohl eher damit zu tun, dass Mädchen sich mehr für Bücher zu interessieren scheinen. Doch „Sternenkraut“ ist keineswegs ein reines Mädchenbuch! So zeigt bereits das Buchcover, auf das Susanne Mittag zu Beginn der Veranstaltung Bezug nimmt, welche neue Welt sich Stella offenbart. So gleicht die Zeichnung auf dem Buch einem Scherenschnitt, darauf ist ein Mädchen schemenhaft zu erkennen, welches vor einer großen Pflanze flieht. Können Pflanzen also auch böse sein oder ein Eigenleben entwickeln? Dass „Sternenkraut“ durchaus auch unheimliche Passagen hat, wurde ebenso in der Lesung deutlich. Frau Mittag wählte gezielt die Stellen aus, die natürlich prägnant für den Verlauf der Handlung sind und die Lust auf mehr machen. Als Unterstützung ihrer Zeilen brachte sie auch einen großen alten Schlüssel mit sowie ein Bild von einem Männermodel aus den 20er Jahren, so konnten sich die Kinder besser vorstellen, wie der „Mann mit dem Zylinder und dem Gehrock“ und wie Stellas Schlüssel, der ihrer Mutter gehörte, wohl aussehen. Im Anschluss an die Lesung folgte eine Fragerunde. Nach anfänglicher Schüchternheit der zuhörenden Mädchen, stürmten letztendlich doch so einige Fragen auf die Autorin ein. So wollte ein Mädchen wissen, wie man überhaupt auf solche Ideen für die Bücher komme? Frau Mittag lässt sich von allerlei Alltagssituationen oder auch von Träumen inspirieren. Dass die Recherche im Vorfeld ebenso eine große Rolle spiele und die Autorin leider nicht sehr viel Mitspracherecht, was das Motiv des Buchcovers angeht, wurde ebenso erklärt. Mit einem Autogramm sowie einem eigenen Buchexemplar bewaffnet, verließen die Kinder am späten Nachmittag die Buchhandlung. Susanne Mittag, die selbst rund jede Woche im Jahr ein neues Buch liest und deren Lieblingsbuch seit 20 Jahren Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist schaffte es, ihre Zuhörer für eine gute Stunde in eine andere Welt zu entführen.
„Sternenkraut“ – ein sehr empfehlenswertes Buch für Jung und Alt!
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Text und Fotos: Franziska Maier