Interview mit Autorin Susanne Mittag
1. Susanne Mittag, Ihr neues Buch „Sternenkraut“ ist vor wenigen Wochen erschienen.
In diesem Buch ist das Mädchen Stella die Hauptperson, die eine besondere Gabe hat
– sie kann mit Pflanzen sprechen. Wie kamen Sie auf diese Idee?
S.M: Die erste Idee
für dieses Buch hatte mit Pflanzen eigentlich noch nicht viel zu tun. Zuerst ging
es darum, dass Stella eine Sprache spricht, die es in unserer Welt nicht gibt. Dann
dachte ich: Es ist eine Sprache, auf die Pflanzen reagieren. Diese Idee fand ich
unheimlich schön – vielleicht weil ich diese Gabe eben überhaupt nicht habe. (Ich
habe einen schwarzen Daumen, was Grünzeug angeht!)
2. Auch in Ihrem Buch „Melina und die vergessene Magie“ dreht sich alles um die Welt
der Fantasie. Haben Sie bereits als Kind Fantasy Romane bevorzugt oder wie kam es,
dass Sie sich vorwiegend diesem Genre widmen?
S.M: Als Kind habe ich viele Bücher
zu verschiedenen Themen verschlungen, aber am schönsten fand ich immer die, in denen
man sich in ganz neue Welten hineinträumen konnte. Heute als Autorin weiß ich: Fantasie
ist ein angeborenes Talent, das viele Erwachsene verlieren, weil sie dazu erzogen
werden. (Gibt’s nicht – taugt also nichts.) Genau deshalb sollten Kinder meiner Meinung
nach möglichst viel lesen und viel träumen. Fantasie ist die Basis für alle Erfindungen,
für alle Veränderungen, für alles Neue. Natürlich ist das Genre beim Lesen auch Geschmacksache,
aber Fantasy bietet einfach eine sehr bunte Palette, wenn man Träume malen möchte.
3. In Ihrem Steckbrief ist zu lesen, dass Ihr Lieblingsbuch „Die unendliche Geschichte“
von Michael Ende sei. Was hat Sie so an diesem Werk fasziniert?
S.M: Michael Ende hat die Fantasie gesellschaftsfähig gemacht. Vielleicht nicht als Erster, aber auf so wunderbare Weise: Seine Figur Bastian Balthasar Bux hat mir als Jugendliche bewiesen, dass man mit Fantasie etwas verändern oder sogar Neues entstehen lassen kann. Der Grundstein zum Schreiben …
4. Sie sind in Ihrem Leben sehr viel umgezogen. Gebürtig stammen Sie aus Nordrhein-
S.M: Inzwischen haben wir im Schwabenländle Wurzeln geschlagen und fühlen uns sehr
wohl. Wir haben eine tolle Nachbarschaft, in der übrigens nicht nur Schwaben wohnen,
aber das Wichtigste ist, dass wir alle ungefähr in einem Alter und fast alle Eltern
sind. So hat sich eine gute Gemeinschaft entwickelt, in der man sich gegenseitig
hilft und mag. Nur manchmal, wenn ich im Frühjahr nach Schleswig-
5. Lassen sich die vielen Umzüge in Verbindung bringen mit Ihrem Beruf?
S.M: Eigentlich
nicht. Als Kind musste ich mit meinen Eltern mit umziehen (mein Vater wurde innerhalb
der Firma an verschiedene Standorte versetzt), dann zog mich die Würzburger Dolmetscherschule
in den Süden, das Heimweh in den Norden und später der Job meines Mannes in den Süden
zurück. Aber mehr Umzüge brauche ich in diesem Leben (hoffentlich) nicht mehr … Wir
sind angekommen.
6. Wie lange benötigen Sie, um einen Roman, wie beispielsweise „Sternenkraut“, zu
schreiben und wie kann man sich Ihre Arbeit sowie die Vorbereitungen vorstellen?
S.M:
Insgesamt, mit allem Drum und Dran, braucht ein Buch bei mir etwa ein Jahr. Dazu
gehört erstmal die Ideenentwicklung: Eine Phase, in der ich zwischen Sessel, Spaziergängen
und Computer unruhig hin-
7. Für alle Jugendlichen, die gerne schreiben: Welche Tipps und Ratschläge haben Sie für die Nachwuchsautoren von morgen? Gibt es Dinge, die man beachten sollte?
S.M: Viel zu viele, um sie hier alle zu nennen, aber ich kann zwei geniale Bücher dazu empfehlen: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey (Ja, der Titel klingt komisch, ist aber ein tolles Buch, besonders für Einsteiger!) oder „Über das Schreiben“ von Sol Stein (gibt’s nur bei Zweitausendeins bzw. im Internet). Aber ich kann gern sagen, was für mich das Wichtigste ist: 1. Viel, viel lesen! Und dabei mal überlegen, warum ein Buch besonders gut oder extrem schlecht ist. 2. Viel schreiben! Am besten startet man mit Kurzgeschichten, denn hier überblickt man schneller die Figuren, den Spannungsbogen und die Schwächen der Story. Und damit kommen wir zu 3. Mit anderen Schreibenden austauschen! Ohne (gute und konstruktive) Kritik wird niemand besser. Ich hatte zuerst eine Schreibgruppe im Internet und dann einen „Autorenstammtisch“, den wir gemeinsam ins Leben gerufen haben. Inzwischen veröffentlichen vier von den damals acht Mitgliedern Bücher bei bekannten Verlagen.
8. Die meisten Autoren haben ja bereits, wenn das eine Buch veröffentlicht wurde,
neue Ideen für das nächste Buch im Kopf. Ist das bei Ihnen auch so?
S.M: Ideen kommen
immer dann, wenn man sie nicht brauchen kann. Und umgekehrt. Der Trick ist also,
die Ideen sofort aufzuschreiben, überall und allzeit bereit! Ich habe, wo ich stehe
und gehe, Zettel und Papier griffbereit. Die Gedankenfetzen werden dann in einer
Datei gesammelt, und wenn das neue Buch ansteht, brauche ich diese Datei nur auszudrucken.
Gut, dann geht das „Puzzeln“ wieder los, aber immerhin habe ich ganz viele Teile
für das Puzzle, das nun wieder ein Bild ergeben muss.
9. Für wen sind Ihre Bücher am besten geeignet?
S.M: Die Bücher, die ich unter „Susanne Mittag“ schreibe, sind Fantasy-
10. Was halten Sie von dem Hype um die Vampir oder Hexen Romane? Dank „Twilight“ und Co. Boomt dieses Genre ja zwischenzeitlich extrem. Wäre das auch eine Thematik, der Sie sich widmen würden?
S.M: Mein erster Roman hieß „Der Hexenspiegel“ (2008, Susanne Rauchhaus, ausnahmsweise
ab 12 Jahren), da ging es um junge Hexen. Aber der Boom um jugendliche Fabelfiguren
lässt schon sehr deutlich nach und die Jugendlichen wollen endlich neue Themen. Und
ich muss sagen, dass es mir beim Schreiben nicht anders geht. Mir ist immer wichtig,
dass ich eine eigene Idee entwickeln kann, die zwar im Trend liegt (und ich bleibe
auch bei der Fantasy), die aber dennoch neu ist. Deshalb gibt es bei „Melina und
die vergessene Magie“ auch keine Fantasiefiguren wie Elfen, Feen und Trolle, sondern
ganz eigenständige. Sonst rostet die Fantasie ein, finde ich, beim Leser wie beim
Autor. Der Weg in die Welt der Fantasy muss ja keine gepflasterte Straße sein, es
darf auch ein Pfad durch hohes Gras sein … wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.
;-
11. Was Joanne K. Rowling mit ihrer Harry Potter Reihe gelungen ist, ist sicherlich
Traum aller Autoren. Doch welche Ziele haben Sie noch, die Sie gerne verwirklichen
möchten?
S.M:Meine Leser mit eigenen, neuen Ideen immer wieder zu überraschen und
so zu unterhalten, dass sie abends unter der Bettdecke weiterlesen möchten.
Interview: Franziska Maier
Fotos: www.susannemittag.de