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Interview mit Nina Winkler

 

 

• Frau Winkler, unseren Leserinnen und Lesern sind Sie als Fitness Expertin bekannt. Viele besitzen Bücher oder DVD´s von Ihnen und auf Ihrer Homepage www.ninawinkler.de steht geschrieben, dass Sport stets Ihre Leidenschaft war. War es denn bereits von Kindesbeinen an Ihr Wunsch, einen Beruf im Sportbereich zu ergreifen oder hatten Sie ursprünglich einmal völlig andere Berufswünsche?

 

 

Die erste Sportart, die ich mit 5 Jahren ernsthaft und begeistert betrieben habe, war Rhönrad fahren; kennen Sie das? Man rollt in einem doppelten Reifen hin und her und macht allerlei akrobatische Übungen. Auch Skifahren habe ich früh gelernt. Sport war also von Kindheit an Teil meines Lebens, allerdings bin ich über Umwegen zu meinem Beruf gekommen. Als Schulkind wollte ich eigentlich Haustierärztin werden oder Rennpferde züchten. Das hat sich aber irgendwie nicht ergeben und als ich mit der Schule fertig war, habe ich Jura studiert; ich war aber zu Studienzeiten bereits viel als Trainerin in Fitness-Studios unterwegs und das Bücherwälzen fiel dem Wunsch, Journalistin zu werden, schlussendlich zum Opfer. Ich habe bei meinem Lieblingsmagazin Shape also zunächst ein Praktikum und dann die Ausbildung zur Redakteurin gemacht – und für die Shape arbeite ich auch heute noch als freie Mitarbeiterin an fast jeder Ausgabe mit.

 

 

• Sie sind ausgebildete Group Fitness und Personal Trainerin, wie lange üben Sie diesen Beruf aktiv aus?

 

Seit über zehn Jahren, meine erste Unterrichtsstunde habe ich völlig ungeplant 1996 im Sportverein gegeben. Die Trainerin war krank geworden und die Stunde wäre sonst ausgefallen, da bin ich eingesprungen. So bin ich auch zu meiner Trainertätigkeit gekommen: Es gab zu wenig Aerobic-Stunden in meinem Verein, da wollte ich selber welche anbieten. Das kam gut an, die Kurse waren voll und ich war innerhalb kurzer Zeit gut gebucht und hatte in allen guten Studios in München feste Stunden. Personal Training anzubieten, war schließlich nur ein Folgeschritt; so etwas ergibt sich aus der Nachfrage.

 

 

• Es gibt zahlreiche Trainerinnen und Trainer in Deutschland, doch Sie haben es geschafft, in den Medien präsent zu sein. Wie kam es dazu?

 

Zwei Komponenten sind für meinen Erfolg entscheidend gewesen: Spaß an der Arbeit und Authentizität. Nur wenn man seinen Beruf auch lebt, kann man dauerhaft Erfolg haben. Ich liebe es, mich zu bewegen und es gibt ständig Neues und interessante, innovative Ansätze. In diesem Job Langeweile zu haben, ist also unmöglich!

 

 

• Viele namhafte Trainer entwerfen angeblich innovative Konzepte zur Gewichtsreduktion oder Verbesserung der Fitness, dabei gibt es sehr viele verschiedene Ansätze. Welchen Standpunkt vertreten Sie und was halten Sie von den Konzepten von David Kirsch, Harley Pasternak und Co.?

 

Viele Wege führen nach Rom und genauso ist es auch mit den unterschiedlichen Fitness-Konzepten meiner Kollegen. Es gibt sehr viele gute Programme und die genannten sind sicherlich top of the range, also ohne Zweifel sehr gut. Meiner Meinung nach ist aber die Nähe zum Kunden und die Alltagstauglichkeit sehr wichtig – und ich als Frau würde logischerweise lieber nach einem Programm turnen, das auch eine Frau entwickelt hat. Die sich vielleicht auch noch mit einem normalen Leben auseinandersetzen kann, also nicht von mir verlangt, 24 Stunden am Tag nur noch an Fitness zu denken, sondern auch versteht, dass man Familie, Beruf und Alltag unter einen Hut bekommen muss. Je praktischer und einfacher ein Trainingsprogramm ist, desto besser.

 

 

• Sie geben auch Leserinnen verschiedener Magazine Tipps für eine sportliche Figur. Entwickeln Sie die Workouts für diese Foto-Produktionen selbst und nach welchen Kriterien gehen Sie hierbei vor?

 

Die meisten Programme entwickle ich selber und wenn möglich, bin ich auch immer beim Fotoshooting dabei, um die perfekte Darstellung der Übungen zu gewährleisten. Es kommt bei der Entwicklung darauf an, was vom jeweiligen Magazin gewünscht wird; ich lege aber immer großen Wert darauf, dass die Versprechen, die im Magazin gemacht werden, auch realistisch sind.

 

 

• Bleiben wir noch bei den Fotoshootings für derartige Beiträge. Sicherlich gibt es etliche Dinge, die man als Fachfrau beachten muss, um die Übungen optisch einwandfrei zu präsentieren. Was sind denn z.B. absolute No-Go´s bei derartigen Shootings und was ist vorteilhaft?

 

Die Auswahl der Models spielt eine große Rolle. Bei den Castings frage ich immer, was die Mädchen denn für Sportarten machen, um sich selber fit zu halten – und ganz oft sind auch Frauen dabei, die selber Yogalehrerin oder Tänzerin sind, die haben dann automatisch eine sehr gute Bewegungskontrolle. Wenn ich mir nicht sicher bin, lasse ich das Model eine Liegestütze vormachen. Da sieht man gleich, ob Körperspannung vorhanden ist.

 

 

• Erst neulich ist eine ganze DVD Reihe von Ihnen erschienen – für jeden ist etwas dabei, ob Yoga Fusion, Fatburner Bootcamp, Fatburner Step für Bauch, Beine & Po, Core Kicks für Bauch, Beine &Po oder Best Body mit Gymnastilkband. Haben Sie einen ganz speziellen Favoriten bei diesen DVD´s und wenn ja, welche?

 

Meine beiden Lieblinge sind das Fatburner- und das Core-Kicks-Programm. Bei beiden Programmen hatte ich tolle Mitturner und bei den Core-Kicks mit Taekwondo-Profi Özgür Günes habe ich viel dazugelernt.

 

 

• Für unsere Leser ist es sicherlich hilfreich, wenn Sie in Kürze erläutern, für wen welche DVD geeignet ist – die Vielfalt und Auswahl ist so groß, dass man schnell den Überblick verliert.

 

Wer gerade mit Sport beginnt und abnehmen möchte, sollte sich an das Fatburner-Programm halten. Intensiveres Cardiotraining bietet das Core-Kicks-Programm. Muskeln aufbauen und definieren klappt mit dem Theraband-Training und wer mal ins Yoga reinschnuppern und gleichzeitig was für die Muskulatur tun möchte, der ist mit Yoga Fusion gut beraten. Das Step-Program ist ideal, wenn Sie von allem etwas möchten; ein wenig Fatburning und ein Rundumschlag Muskeltraining für den gesamten Körper!

 

 

• Wie viel Sport ist generell notwendig, um Gewicht zu reduzieren und um fitter zu werden?

 

Um Gewicht zu reduzieren, sollten Sie zu Beginn drei- bis viermal pro Woche etwa 60 Minuten lang joggen, radeln, schwimmen. Wer schon länger Sport treibt, sollte sich mit dem Thema Intervalltraining auseinandersetzen. „Nur“ fitter werden kostet weniger Zeit, da sind Sie mit dreimal 45 Minuten die Woche gut beraten. Alles, was Spaß macht und Ihre Gesundheit erlaubt, ist gut für die allgemeine Fitness.

 

 

• Und wie viel Sport ist allgemein pro Woche gesund? Manche übertreiben es, andere sind stolz, wenn sie 10 Minuten pro Woche schaffen…

 

Mit einer Stunde pro Woche haben Sie Spaß, aber das ändert nichts am Fitnesszustand und auch nicht an der Figur. Zweimal eine Stunde pro Woche sind geeignet, um das erreichte Fitness-Level zu halten und drei bis vier Stunden bringen Sie weiter auf Ihrem sportlichen Weg. Das sind natürlich nur ungefähre Angaben, es hängt sehr von Ihrer persönlichen Fitness und Ihrem Stoffwechsel ab, die Ernährung macht übrigens 50 % des Erfolges aus! Zum Thema „zu viel“: Wenn Sie sich ständig müde und ausgelaugt fühlen, der Sport zum Zwang wird, dann ist es zu viel.

 

 

• Hanteln, Medizinball, Gymnastikband und Co - Welche sportlichen Hilfsmittel bringen wirklich etwas?

 

Das kommt auf die Verwendung an. Jedes Gerät hat seine Vorteile, aber Sie können auch mit Wasserflaschen, auf sandigen Untergrund, einem zusammengelegten Handtuch, auf zwei Papptellern, mit zwei Wasserflaschen Geräte erschaffen, die nichts kosten und ebenfalls sehr effektiv sind. Ich will damit sagen: Es muss nicht immer das neueste Gerät, die innovativste Maschine sein. Seien Sie kritisch, gerade im Fernsehen gibt es viele fragwürdige Sachen. Es ist jedenfalls nicht verkehrt, elastische Bänder und eine Gymnastikmatte zu Hause zu haben.

 

 

• Es gibt immer wieder neue Trends im Fitness Bereich, so auch Bauchgürtel, die mit Unterdruck arbeiten und beim Cardio Training helfen sollen, Gewicht zu reduzieren. Sind solche Dinge hilfreich oder eher Geldmacherei?

 

Der Bauchgürtel funktioniert, habe ich ausprobiert. Der Unterdruck hilft, das Gewebe zu entwässern. Leider nicht dauerhaft; man muss also entweder eine Menge Geld investieren oder eine andere Lösung finden.

 

 

• Was halten Sie von Eiweiß-Drinks oder Shakes, die ebenso das Gewicht reduzieren sollen?

 

Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß, da gibt es qualitativ große Unterschiede. Das mal vorab. Wer sich wirklich gut mit Ernährung auskennt und sowieso schon relativ schlank ist, dem können Proteinshakes sehr gut helfen, super in Form zu kommen. Ich bereite mich so auf Drehs vor – wenn ich nicht gerade schwanger war, wie bei meiner „Fitness form e“-Staffel.

 

 

• Sicherlich ernähren Sie sich vorbildlich – welche Nahrungsmittel sollte man zu sich nehmen, um gesund und fit zu bleiben?

 

Es kommt sehr darauf an, wie gesund Sie sind. Generell ist natürlich eine vollwertige Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst zu bevorzugen, aber bleiben wir mal realistisch: Gelegentlich ein Stück Schokolade hebt die Laune. Das ist doch menschlich. Aber im Großen und Ganzen sollte es sich einfach die Waage halten, im doppelten Sinne: Zum einen sollte Ihre Ernährung im Durchschnitt natürlich gesund sein, zum anderen  hilft ein kritischer Blick in den Spiegel und gelegentliches Wiegen – und wenn die Hose kneift, gibt’s eben mal wieder ein paar Wochen keine Schokolade. Wenn Sie meine persönlichen Favoriten für gesundes Essen wissen wollen: Selnstgemachte Gemüsesuppe (schnell, lecker, einfach und gut für Vorratshaltung, kann man einfrieren), Salate in allen Varianten und geräuchertes Tofu aus dem Reformhaus. Buttermilch im Sommer – einfach lecker und super proteinreich! Mit frischen Beeren püriert ist das fast schon eine richtige Mahlzeit!

 

 

• Ein Tag im Leben von Nina Winkler:…

 

Morgens 6:30: Mein Söhnchen kräht, Zeit zum Aufstehen. Nicht einfach für einen natural born Langschläfer... Ab 10 Uhr fängt mein Tag richtig an, die Nanny kommt. Dann gehe ich in der großartigen Landschaft Kapstadts laufen oder setze mich aufs Spinning-Bike, anschließend eine Dusche und Kaffe. Danach ab ins Büro, die anfallenden Arbeiten sichten und erledigen, was eben so anliegt. So um 14 Uhr nehme ich mir nach Möglichkeit noch mal Zeit für den Kleinen, anschließend geht’s entweder ins Yoga-Studio oder in mein Privatstudio zum Videotraining (neu, über Skype, ist eine tolle Möglichkeit für Personal Training, kann ich Ihnen nur empfehlen!). Anschließend steht ein gemeinsames Abendessen mit der Familie auf dem Plan, im Anschluss bringe ich mein Kind ins Bett und arbeite bis ca. 23 Uhr.

 

 

• Welche Sportart ist Ihr absoluter Favorit?

 

Oh, das ist schwer zu sagen. Ich liebe Yoga, aber ich gehe auch gerne zum Boxtraining (ohne Sparrings!). Intensive Cardiotrainings und knackige Bauch-Beine-Po-Stunden sind nach wie vor meine sportliche Lieblingsbeschäftigung.

 

 

• Sport bestimmt zum größten Teil Ihr Leben, doch wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Ebenso mit Sport oder völlig anderen Dingen?

 

Sehr gerne bin ich mit der Familie draußen unterwegs, das ist dann mehr oder weniger sportlich. Mein Freund ist Ex-Surfprofi und wenn er Wellenreiten geht, ist das für mich viel zu heftig, da bin ich zum Sandburgen bauen verdonnert. Dafür kommt er ab und zu mit mir zum Yoga. Wir wandern gerne in den Bergen, im Winter gehen wir zum Skifahren.

 

 

• Sie bieten auch noch eine sehr interessante Option an: Sie präsentieren auf Wunsch Städte oder Reisen in einem sportlichen Blickwinkel. Was kann man darunter verstehen?

 

Das ist eigentlich Reisejournalismus mit Sportbezug. Ich habe beispielsweise joggend schon einige Städte erkundigt, das ist immer toll gewesen. Man denkt doch beispielsweise bei New York automatisch an Shopping oder die 5th Avenue und den Broadway – aber wie toll die City beim Joggen vom Central Park aus oder der Brooklyn Bridge aussieht, das muss man selber rausfinden. Die tollsten, wildesten Fitness-Trends kann man in NY sowieso finden –aber hätten Sie gedacht, dass ich die friedlichste, schönste Yogastunde mitten in der Upper Eastside erleben durfte? Und garantiert nie werde meinen ersten Solo-Flug in Südafrika vergessen: Die Region der Drakensberge sieht von oben einfach tausendmal besser aus, wenn man Flügel hat!

 

 

• Frau Winkler, Sie sind sehr vielseitig und können bereits auf etliche Erfolge zurückblicken. Doch gibt es bei Ihnen noch Ziele und Wünsche, die Sie gerne realisieren möchten? Wenn ja, welche?

 

In dieser Hinsicht lasse ich mich sehr von meiner Intuition leiten. Ich versuche, meine Mein größter Wunsch ist es, möglichst vielen Frauen dabei zu helfen, die unglaublich großartigen Vorteile kennenzulernen, die das körperliche Fitsein mit sich bringt. Fitness ist für jeden möglich, wenn man die richtige Strategie für sich gefunden hat.

 

 

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!